Interview mit Bezirksapostel Deppner über die Situation der Kirche im Kongo

22.08.2013

Bezirksapostel Michael Deppner im Interview (Foto: UF)

Bezirksapostel Deppner (links) beim Besuch des Stammapostels (Foto: NAC Congo)

Frankfurt/Zürich. Bezirksapostel Michael Deppner leitet die neuapostolische Gebietskirche Demokratische Republik Kongo-West seit ihrer Gründung im August 2010. Die Druckausgabe der neuapostolischen Kirchenzeitschrift „Unsere Familie“ veröffentlicht in ihrer Ausgabe 17/2013 ein interessantes Interview mit dem Kirchenleiter, das sowohl das geistliche Wirken als auch soziale und politische Hintergründe der anspruchsvollen Arbeit beschreibt.

Über eine Million neuapostolische Christen leben im Verantwortungsbereich des in Kanada geborenen Bezirksapostels. Erfreut zeigt er sich insbesondere über die hart erarbeitete Autonomie seines Arbeitsbereichs. Sowohl was den Arbeitsmarkt anbelangt als auch in Sachen Gottesdienstausübung blicken die Gemeinden auf eine bemerkenswerte Unabhängigkeit von Außenhilfe zurück und dies, obwohl das Land zu den ärmsten auf dem afrikanischen Kontinent gehört und die Arbeitslosenquote nach wie vor recht hoch liegt. Der größte Teil der Bevölkerung lebt vom Fischfang oder vom Obst- und Gemüseanbau. Sie produzieren genug für ihre Familien und verkaufen, was übrig bleibt, weiß Bezirksapostel Deppner zu berichten.

Kirchen im Eigenbau

Kirchen werden in Kongo-West meist in Eigenregie der Gläubigen errichtet. Die Kirche selbst unterstützt diese Initiative mit Geld für Wellblechplatten – Holz als Baumaterial scheidet aus, weil es zu anfällig für Termitenbefall wäre. Auch massive Kirchen aus selbstgebrannten Ziegelsteinen sind im Vormarsch. Konzept der Kirche ist die Errichtung zentraler Gotteshäuser, damit den Gläubigen des Landes erträgliche Anreisezeiten ermöglicht werden. Derzeit gibt es in Kongo-West etwa 8.000 Gemeinden, 250 davon haben eigene Kirchengebäude. Die meisten Gottesdienste finden somit in Privathäusern statt, um Mieten zu vermeiden.

Problematisch ist weiterhin die Versorgung der Gemeinden mit einer ausreichenden Anzahl von Geistlichen, obwohl erst im letzten Monat beim Besuch des Stammapostels Schneider sieben neue Apostel und sieben Bischöfe ordiniert wurden (wir berichteten).

Der Leser erfährt Details sowohl von den individuellen Strapazen der seelsorgerischen Tätigkeit als auch über die seelischen Belastungen, die insbesondere aus der ärztlichen Tätigkeit zu Zeiten der Kongo-Kriege herrühren.

Vom Arzt zum Apostel

Bereits während seines Studiums in Burundi war Bezirksapostel Deppner sieben Jahre für die Kirche in Ruanda tätig. Er hatte sich bei einer amerikanischen Hilfsorganisation gemeldet und war in die Krisenregion gegangen. Nach sechs Monaten hatte ihm die Flüchtlingsorganisation UNHCR eine feste Stelle angeboten.

So erinnert sich der Bezirksapostel an einen Gottesdienst im Jahr 1997 in einem Flüchtlingslager der UN: »Ich war damals Bezirksältester und es war Erntedank. Es kamen viele Menschen, die alles verloren hatten. Die Hälfte ihrer Familien waren tot, andere verschollen – und dennoch haben sie ihr Dankopfer gebracht. Die Herzenseinstellung dieser Menschen hat mich beschämt. Diesen Gottesdienst zu halten, war für mich Schwerstarbeit.«

Das ganze, sechsseitige Interview ist nachzulesen in Unsere Familie Ausgabe 17, 5. September 2013.

Kategorie: Afrika