Durch Solidarpakt entstehen neue Kirchen im Osten Deutschlands

30.08.2010

Kirchengebäude in Brandenburg ...

... und in Rostock (Fotos: NAK)

Zürich. Neue Kirchengebäude in Rostock, Brandenburg, Ilmenau und Schönheide sollen in den nächsten Jahren mithilfe eines gemeinsamen Förderprogramms entstehen. Die fünf Millionen Euro dafür stellen die neuapostolischen Gebietskirchen in Deutschland, die Neuapostolische Kirche Schweiz und die Neuapostolische Kirche International nach einem gemeinsam verabschiedeten Verteilerschlüssel zur Verfügung. Dieser Solidarpakt für Kirchenbauten in einer Kernregion in Europa ist bislang einzigartig in der Neuapostolischen Kirche, gingen doch die Mittel bisher zumeist ins Ausland.

Gerade die Bausubstanz von Kirchengebäuden in den neuen Bundesländern liegt oft weit unter dem durchschnittlichen Niveau. Aufgrund der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation vor der Wiedervereinigung mussten Kirchen im Osten Deutschlands oft in Eigenleistung der Geschwister und mit den damals erhältlichen Baustoffen errichtet werden. Dadurch bedingt entsprechen etliche Gebäude nicht mehr den heutigen Vorgaben. Wegen der zunehmend schwieriger werdenden wirtschaftlichen Lage musste in den letzten zwei Jahrzehnten häufig in diese teilweise maroden Gebäude investiert werden.

Dazu Stammapostel Wilhelm Leber, der mit dem „Förderprogramm Bau“ eine Idee aus dem innerkirchlichen Verwaltungsprojekt Europa aufgreift: „Dieses unwirtschaftliche Vorgehen schadet letztlich der Gesamtkirche. Wir haben uns daher entschlossen, in jedem Bundesland im Osten Deutschlands ein Pilotprojekt gemeinschaftlich zu finanzieren.“ Kirchenneubauten in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern), Brandenburg (Brandenburg), Ilmenau (Thüringen) und Schönheide (Sachsen) stehen an der Spitze des Solidarpakts. In Wernigerode (Sachsen-Anhalt) wird geprüft, ob der denkmalgeschützte Altbau mit einem Neubau vergleichbaren Kosten wirtschaftlich saniert und damit der Kirche erhalten werden kann. Eine der Förderbedingungen für die anstehenden Kirchenstandorte lautet: eine langfristige und gute Auslastung der Sitzplatzkapazität - angestrebt ist eine durchschnittliche Belegung des Kirchensaales um 80%. Dies soll durch eine schrittweise Eingliederung von Nachbargemeinden sichergestellt werden. Eine Kommission, die sich aus Experten in den Bereichen Finanzen, Statistik und Bau zusammensetzt, prüft in mehreren Schritten, ob die Bedingungen vorliegen.

Mit diesen fünf Pilotprojekten will die Kirche in Ostdeutschland die im letzten Jahr durch die Bezirksapostelversammlung Europa verabschiedete Richtlinie „Förderprogramm Kirchenbau“ überprüfen. Diese sieht vor, lebendigen Gemeinden in Gebietskirchen mit geringer Finanzkraft angemessene Gebäude zur Verfügung zu stellen. In den kommenden Jahren soll daraus eine Strategie entstehen, die ein nachhaltiges Bauen und Unterhalten alle kirchlichen Immobilien in den Gebietskirchen Europas zum Ziel hat.

„Leitbild Kirchliche Immobilien“

Das Leitbild stellt fest, dass sich die demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen in Europa zunehmend auch auf das ehrenamtlich geführte Gemeindeleben in der Neuapostolischen Kirche auswirken. Finanzmittel nehmen ab bei gleichzeitig deutlich gestiegenem Finanzierungsbedarf wegen alternder Bausubstanz, erhöhten Betriebskosten und erhöhtem Raum- und Ausstattungsbedarf aufgrund vermehrter innerkirchlicher Aktivitäten. Der drastische Finanzierungsbedarf kann mit bisherigem Ressourceneinsatz und gewohnter Denk- und Arbeitsweise nicht bewältigt werden. Darum soll der Betreuung von Immobilien während ihres ganzen Lebenszyklus eine Strategie zu Grunde gelegt werden.

Projekt „Stratus“: Aufnahme des Gebäudebestandes in Europa

Um die langfristigen Kosten für den Unterhalt der Gebäude der Neuapostolischen Kirche in Europa prognostizieren zu können, wird für alle Gebietskirchen ein einheitliches Software-Programm namens „Stratus“ eingesetzt. Zurzeit erfassen interne und externe Fachleute die Gebäudesubstanz aller kircheneigenen Objekte. Die Daten liefern Auskünfte über die Qualität und die voraussichtliche Rest-Lebensdauer der untersuchten Bauteile und bilden die Grundlage für die Ermittlung des zukünftigen finanziellen Bedarfes zur Erhaltung der Gebäude. Ergänzt werden diese Parameter durch weitere Erfordernisse in den Bereichen Barrierefreiheit, Sicherheit und Verordnungen zur Energieeinsparung.

 

» Leitbild Kirchliche Immobilien der Neuapostolischen Kirche