„Aussöhnung sollte fortgesetzt und unterstützt werden“

21.09.2009

Im Juni fand ein Gespräch mit ...

... neuapostolischen Zeitzeugen in Dortmund statt (Fotos: NAK NRW)

Dortmund. Am Dienstag, 9. Juni 2009, fand in der Verwaltung der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen eine Zusammenkunft mit Zeitzeugen statt, die die Zeit zwischen 1938 und 1955 im Rheinland als Kinder, Jugendliche oder Seelsorger miterlebt hatten (wir berichteten). Damals kam es zu Spannungen zwischen dem damaligen Stammapostel Johann Gottfried Bischoff und dem Bezirksapostel des Rheinlands, Peter Kuhlen. Zwar brachte der Meinungsaustausch wenig neue Erkenntnisse, doch wurde der Wunsch nach Aussöhnung von den Teilnehmern deutlich unterstützt.

Inhalt des Gesprächs waren die Befunde der AG „Geschichte der Neuapostolischen Kirche“ für diesen Zeitraum und die Informationen aus einer Besprechung mit Zeitzeugen der Vereinigung Apostolischer Gemeinden (VAG) vom 12. Juli 2008.

Dieses Mal waren Zeitzeugen geladen, die bis zum heutigen Tag der Neuapostolischen Kirche angehören, unter anderem die Apostel i. R. Gunter Homburg und Hermann Magney. Sie schilderten im Verlauf des Vormittags ihre Sicht der damaligen Ereignisse.

In dem Zusammensein wurden die Fragen erörtert, die seinerzeit mit den Zeitzeugen der VAG diskutiert worden waren. Dabei handelt es sich um Vorgänge um den damaligen Bezirksapostel Peter Kuhlen, die schließlich zu seinem Ausschluss aus der Neuapostolischen Kirche führten.

Wenig neue Erkenntnisse

Bezirksapostel Armin Brinkmann kommentiert im Rückblick: „Das Gespräch brachte keine wesentlichen neuen Erkenntnisse. Immerhin ist es aufschlussreich zu erfahren, wie die Vorgänge damals in den Gemeinden wahrgenommen worden sind.“

Übereinstimmend vertraten die anwesenden Zeitzeugen die Sicht, dass Stammapostel Johann Gottfried Bischoff sich offensichtlich gedrängt gefühlt habe, Peter Kuhlen als seinen Nachfolger einzusetzen. „Man kann zwar nicht sagen, dass die Einsetzung gegen den Willen des Stammapostels erfolgte, aber es ist damals spürbar gewesen, dass der Stammapostel nicht vollends dahinterstand“, berichtete ein Teilnehmer.

Rücktritt war Überraschung

Einige Zeitzeugen berichteten, dass Stammapostelhelfer Kuhlen in der Folge auch Gottesdienste außerhalb seines eigenen Bereiches durchführte. „Die Reaktionen in den Gemeinden darauf waren jedoch zwiespältig“, berichteten sie. Auf der einen Seite waren viele beeindruckt von seiner Gabe, mitreißende Gottesdienste zu halten. Andererseits gab es aber schon ein gewisses Misstrauen gegen ihn, das die Zeitzeugen aber nicht näher definieren konnten.

Der Rücktritt Peter Kuhlens als Stammapostelhelfer 1950 wurde von allen als überraschend empfunden. Man habe sich gefragt, was da los sei. Aber über die offizielle Erklärung hinaus habe es keine Informationen gegeben.

Eine harte Maßnahme

Die Zeitzeugen berichteten, dass in den nachfolgenden Jahren bis 1955 die Spannungen zwischen Stammapostel Bischoff und Bezirksapostel Kuhlen sich spürbar vertieften. Es bildeten sich zwei Lager heraus: Diejenigen, die die Botschaft des Stammapostels Bischoff vorbehaltlos unterstützten, und auf der anderen Seite diejenigen, die sie zumindest relativierten.

Aus Sicht der Zeitzeugen kam das Ende nicht überraschend: Die Amtsenthebung Peter Kuhlens und weiterer Amtsträger war nach ihrer Einschätzung Schlusspunkt einer längeren Entwicklung. Der Kirchenausschluss wurde überwiegend als sehr harte Maßnahme gewertet.

Annäherung weiter unterstützen

Im Ergebnis wurde deutlich, dass es aus heutiger Sicht schwer verständlich und bedauernswert ist, so die Zeitzeugen, dass kein erkennbares Bemühen bestand, im Interesse der Einheit der Kirche intensive Gespräche miteinander zu führen, um Trennendes zu überwinden.

Die Zeitzeugen empfinden es darüber hinaus als sehr positiv, dass sich auf Gemeindeebene zwischen der Neuapostolischen Kirche und der VAG Verbindungen ergeben haben und das Miteinander in den letzten Jahren immer unkomplizierter geworden ist. Ihr Wunsch: Diese Entwicklung sollte fortgesetzt und unterstützt werden.

Lesen Sie auch unseren Bericht auf der Webseite der Neuapostolischen Kirche Nordrhein-Westfalen.

Kategorie: Deutschland, NAKI News