12.4.3 Seelsorgebesuch

Jedem neuapostolischen Christen wird eine persönliche seelsorgerische Betreuung angeboten.

Sie geschieht in der Ausrichtung auf das Vorbild Jesu. Er kehrte zum Beispiel öfter in Betanien bei Maria, Marta und Lazarus ein. Dadurch entstand ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen ihnen: „Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester und Lazarus“ (Joh 11,5). Auch Jesu Einkehr bei Zachäus in Jericho stand im Zeichen der dienenden und helfenden Liebe: „Als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren“ (Lk 19,5). Dieser Besuch wirkte sich segensreich aus: „Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren“ (Lk 19,9).

Aus dem, was uns von Jesus überliefert ist, leiten wir Sinn und Zweck der heutigen Seelsorgebesuche ab. Jedes Gemeindemitglied hat einen für die persönliche Seelsorge zuständigen Priester, der auch für die Besuche verantwortlich ist. Er wird dabei üblicherweise von einem Diakonen unterstützt.

Bei der Betreuung der Glaubensgeschwister steht das Bemühen im Vordergrund, die Liebe zu Gott und seinem Werk zu vertiefen, das Glaubensleben zu fördern und die Erkenntnis über Gottes Heilswirken zu vermehren. Vornehmlich geschieht es dadurch, dass ein Gedankenaustausch über Glaubensfragen stattfindet.

Den Gläubigen wird besondere Zuwendung in allen Lebensverhältnissen zuteil, indem die Amtsträger sie im Seelsorgebesuch in ihren Sorgen und Fragen begleiten. So wird das Vertrauensverhältnis zwischen Seelsorger und Gläubigen gefestigt. Inwieweit die Glaubensgeschwister nach den gegebenen Ratschlägen handeln, bleibt ihnen überlassen. Die dem Einzelnen obliegende Eigenverantwortung wird respektiert und gefördert. Selbstverständlich erfolgen Seelsorgebesuche nicht gegen den Willen der Glaubensgeschwister.

Ein wichtiges Element im Seelsorgebesuch ist das gemeinsame Gebet. Darüber hinaus werden die Glaubensgeschwister durch den Seelsorger fürbittend begleitet.

Eine besondere Betreuung wird denen zuteil, die in Leid und Trauer gekommen sind. Im Krankheitsfall, der eine Situation besonderer physischer und psychischer Belastung darstellt, erfährt der neuapostolische Christ Zuwendung durch Besuche, sei es zu Hause oder im Krankenhaus. Der zuständige Amtsträger besucht Kranke und nimmt Anteil an ihrem Befinden. Er stärkt sie im Glauben, tröstet sie und legt ihre Sorgen ins Gebet. Wenn möglich, feiert er das Heilige Abendmahl mit ihnen. In gleicher Weise werden auch alte und behinderte Glaubensgeschwister, denen der Gottesdienstbesuch nicht mehr möglich ist, regelmäßig besucht.

Gläubige, die nicht oder nur eingeschränkt besucht werden können, beispielsweise Seeleute, Soldaten oder Inhaftierte, erhalten seelsorgerische Betreuung oft auch in brieflicher Form.

Gerade in einer Gesellschaft, die mehr und mehr durch Vereinsamung, Isolation und Ausgrenzung vieler Menschen geprägt ist, erfährt der neuapostolische Christ in seinem Alltagsleben Fürsorge und Begleitung durch seine Seelsorger.

EXTRAKT

Neuapostolischen Christen wird eine persönliche seelsorgerische Betreuung auch durch Besuche angeboten. (12.4.3)

Wichtiges Element im Seelsorgebesuch ist das gemeinsame Gebet. Die Eigenverantwortung des Einzelnen wird respektiert und gefördert. (12.4.3)

Seelsorgerische Betreuung erfahren insbesondere diejenigen, die in Leid, Trauer und Not gekommen sind. (12.4.3)