11.3.3 Fortführung des Apostelamts in der Neuapostolischen Kirche

Die englischen Apostel hatten sich mit ihrem Widerstand gegen eine Ergänzung des Apostelkreises und damit eigentlich gegen die Fortführung der Kirche unter Aposteln durchgesetzt. Im Gegensatz dazu bestanden der Prophet Heinrich Geyer und der Leiter der Hamburger Gemeinde, Friedrich Wilhelm Schwartz (* 1815, † 1895), darauf, dass Rudolf Rosochacky (* 1818, † 1884) einen göttlichen Ruf erhalten habe. Dieser war am 10. Oktober 1862 durch den Propheten Geyer zum Apostel berufen worden. Die Hamburger Gemeinde erkannte am 4. Januar 1863 diese Rufung an.

Auch als Apostel Rosochacky kurz darauf von seinem Amt zurücktrat, hielten Geyer, Schwartz und die Hamburger Gemeinde daran fest, dass es sich um einen göttlichen Ruf gehandelt hatte. Schwartz wurde am 27. Januar 1863 durch Apostel Woodhouse seines Amtes enthoben und aus der Katholisch-apostolischen Kirche ausgeschlossen. Auch die Hamburger Gemeinde wurde exkommuniziert, weil sie Schwartz folgte.

Mithin ist im Januar 1863 der Beginn der Neuapostolischen Kirche anzusetzen.

Bald darauf wurden zunächst Priester Carl Wilhelm Louis Preuß (* 1827, † 1878) und wenig später Friedrich Wilhelm Schwartz als Apostel gerufen. Preuß wirkte in Norddeutschland, während Schwartz die Niederlande als Arbeitsgebiet zugewiesen wurden. Weitere Rufungen von Aposteln folgten in kurzer Zeit.

Die neu entstandene Gemeinschaft nannte sich „Allgemeine christliche apostolische Mission“. Darin, wie auch in der Bezeichnung des niederländischen Zweigs als „Wiederhergestellte apostolische Sendungskirche“, spiegelte sich die Hoffnung, weite christliche Kreise zu erreichen.

Im Jahr 1872 wurde Friedrich Wilhelm Menkhoff (* 1826, † 1895) als Apostel für Westfalen und das Rheinland berufen.

Er gründete 1884 in Deutschland die erste Kirchenzeitschrift; sie trug den Titel „Der Herold. Monatsschrift für wahrheitsliebende Christen“. Unter seinem Einfluss schaffte Apostel Schwartz zunächst in seinem Tätigkeitsbereich die liturgischen Gewänder und viele Elemente der von der Katholisch-apostolischen Kirche übernommenen Liturgie ab. 1885 wurden diese Änderungen in allen anderen Gemeinden übernommen.

1881 wurde Friedrich Krebs (* 1832, † 1905) aus Braunschweig zum Apostel berufen. Nach dem Tod der Apostel Schwartz und Menkhoff nahm er die Leitungsfunktion ein. Wichtiges Anliegen war ihm die Einheit unter den Aposteln; er war der erste Stammapostel im heutigen Sinn.

Je mehr im Ausgang des 19. Jahrhunderts das Apostelamt als zentrales Amt, das umfassende Vollmachten hat, in der Kirche hervortrat, desto mehr trat die Bedeutung der Propheten zurück. Seit Ende der 1920er-Jahre sind keine Propheten mehr in den Gemeinden tätig.

Die ersten Jahrzehnte in der Geschichte der Neuapostolischen Kirche dienten unter anderem der Festigung der Gemeinden und der Einheit unter den Aposteln. Ab 1897 bildete sich das Stammapostelamt als das führende Amt der Kirche heraus, das Friedrich Krebs bis zu seinem Tod im Jahr 1905 bekleidete.

Weitere Träger des Stammapostelamts:

  • Hermann Niehaus (* 1848, † 1932, Stammapostel von 1905 bis 1930),

  • Johann Gottfried Bischoff (* 1871, † 1960, Stammapostel von 1930 bis 1960),

  • Walter Schmidt (* 1891, † 1981, Stammapostel von 1960 bis 1975),

  • Ernst Streckeisen (* 1905, † 1978, Stammapostel von 1975 bis 1978),

  • Hans Urwyler (* 1925, † 1994, Stammapostel von 1978 bis 1988),

  • Richard Fehr (* 1939, Stammapostel von 1988 bis 2005),

  • Wilhelm Leber (* 1947, Stammapostel seit 2005).

EXTRAKT

Vor dem Hintergrund gläubigen Erwartens eines besonderen Amtes in der Kirche wurden ab 1832 gläubige Männer ins Apostelamt berufen. (11.3)

1837 veröffentlichten die Apostel das „Große Testimonium“ und forderten die Geistlichkeit dazu auf, sich der Autorität der Apostel zu unterstellen. Diese Aufforderung fand jedoch kein Gehör. (11.3.1)

Im Januar 1863 erkannte die Gemeinde in Hamburg die Rufung von Rudolf Rosochacky zum Apostel an. (11.3.3)

Mithin ist der Beginn der Neuapostolischen Kirche im Januar 1863 anzusetzen. (11.3.3)

Ab 1897 bildete sich das Amt des Stammapostels als führendes Amt der Kirche heraus. (11.3.3)

Siehe auch