»Augen haben für das Unsichtbare«

15.10.2012

Stammapostel Wilhelm Leber am Altar in Nazareth, neben ihm als Übersetzer der Evangelist Mansour

Gruppenfoto: alle Bezirksapostel und Helfer in Nazareth

Lesung der Seligpreisungen aus der Schrift

Ein Blick vom Ölberg in das Kidrontal (Fotos: NAKI)

Zürich/Nazareth. Es war ein bewegender Gottesdienst in Nazareth, der Stadt Jesu unweit vom See Genezareth: Stammapostel Wilhelm Leber und alle Bezirksapostel und Bezirksapostelhelfer waren in die prallgefüllte Gemeinde gekommen. Am Ende stand die Botschaft im Raum, dass Gott durch alle Trübsale dieser Zeit hindurch helfen werde und wir deshalb ein Auge auf das Unsichtbare, das Ewige, die Zukunft haben dürfen!

Der internationale Kirchenleiter hatte den Bibeltext aus 2. Korinther 4,17.18 für die freudige Gemeinde mitgebracht: „Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.“ Stammapostel Leber nutzte dieses Pauluswort, um die Frage in den Raum zu stellen, womit wir unsere Trübsale – also unsere Sorgen und Nöte – vergleichen, wie unser Maßstab sei? Er selbst gab die Antwort und verdeutlichte den ungeheuren Wert der ewigen Gemeinschaft bei Gott, dem himmlischen Vater. „Vergleiche deine Nöte doch mit der zukünftigen Herrlichkeit, dann werden sie etwas leichter“, gab er zu bedenken. Es sei wichtig, so sein Wunsch, Augen für das Unsichtbare zu behalten: Jesus sei eben nicht nur der Zimmermann aus Galiläa, sondern Gottes Sohn. Die Gemeinde sei nicht nur eine fromme Gruppe, sondern die Versammlung der Gläubigen, der Gottesdienst nicht nur ein Termin im Wochenkalender, sondern das Hören des Wortes Gottes, das Gebet nicht nur ein Ritual, sondern die innige Verbindung zu Gott, das Heilige Abendmahl nicht nur Zeremonie, sondern Teilhabe am Leib und Blut Christi.

Und Bezirksapostel Jean-Luc Schneider wies die kleine einheimische Gemeinde darauf hin, dass sich das Kämpfen für das Evangelium in jedem Fall lohne. „Wenn du aufhörst, hat der Herr einen Jünger weniger!“, gab er zu bedenken.

Besuch am Berg der Seligpreisungen

Nazareth hat seine eigene lange Geschichte. Hier lebte der Herr, von hier aus ging er hinaus in die Welt. Auch die Kirchenleiter machten sich auf den Weg. Zunächst ging es auf den Berg der Seligpreisungen, dort wo Jesus die berühmte Bergpredigt hielt. Ein Chor aus 90 Sängerinnen und Sängern, der schon im Morgengottesdienst gesungen hatte*, versammelte sich zu einem spontanen Lied am Eingang der dort errichteten Klosterkirche. „Ich bete an die Macht der Liebe“ erklang es; viele Touristen verharrten in Stille und Andacht. Anschließend las Stammapostel Leber die Seligpreisungen aus dem Matthäusevangelium – ein Augenblick voller Emotionalität.

*90 Sängerinnen und Sänger, bestehend aus Bezirksvorstehern und Gemeindevorstehern und Frauen aus verschiedenen süddeutschen Gemeinden, bildeten den Gemeindechor im Gottesdienst in Nazareth. Sie halten sich auf eigene Kosten einige Tage im Land auf und machten mit ihrem Beitrag der ansonsten eher kleinen Gemeinde eine große Freude.

Die Reisegruppe machte sich danach auf, um nach Kefar Nahum (Kapernaum) zu reisen. Hier haben in letzter Zeit viele Ausgrabungen stattgefunden und es scheint sicher, dass die Synagoge, in der Jesus selbst aus der Thora vorlas, hier aufgerichtet war.

Kapernaum, Jerusalem, Bethlehem

Tags zuvor besichtigten die weltweiten Kirchenleiter sowohl die Stadt Jerusalem als auch Bethlehem, die Geburtsstadt des Herrn. Beide Stätten, sowohl die jüdische als auch die palästinensische, hinterließen einen bleibenden Eindruck bei der Reisegruppe. Und dennoch, als im Sonntagsgottesdienst der Chor das erste Lied wählte „Ist dein Fenster offen gen Jerusalem?“ und damit an Daniel erinnerte, der fern der Heimat Sehnsucht verspürte, zog der Stammapostel einen Vergleich mit unserer Zeit: „Und wie sieht es heute und jetzt aus? Der Blick zurück bewegt zwar unsere Herzen und schenkt uns gute Impulse, über das Heil entscheiden aber tut nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Christus hat gesagt, dass er dort sein werde, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, deshalb wollen wir die Gegenwart nutzen!“

Eine ereignisreiche Woche geht zu Ende.