Offizielle Verlautbarungen

Stammapostel erläutert Amtsverständnis

22.10.2017

Fotos: NAK Süddeutschland

Zürich. Rückblick, Sachstand, Ausblick zum neuen Amtsverständnis: Erstmals hat der internationale Leiter der Neuapostolischen Kirche, Stammapostel Jean-Luc Schneider, persönlich zu den laufenden Beratungen Stellung genommen.

„Die Ausarbeitung des Amtsverständnisses ist für die weltweite Kirche eine äußerst wichtige Angelegenheit“, sagte Stammapostel Schneider am heutigen Sonntag nach einem Gottesdienst für Amtsträger, der europaweit per Satellit übertragen wurde. „Unser Vorhaben ist es, die Ämter und die Amtsstruktur, die Dienste sowie die Leitungsfunktionen klar und verständlich zu definieren.“

Zwischen Ordination und Ernennung

Als höchstes Entscheidungsgremium hatte die Bezirksapostelversammlung (BAV) zunächst die Grundzüge des Amtsverständnisses festgelegt. Demnach ist das Wirken der Amtsträger ein Dienst, der mit göttlicher Vollmacht versehen ist. Die Vollmacht wird im Rahmen eines Amtsauftrages ausgeübt, mit dem die Kirchenleitung dem Amtsträger einen konkreten Wirkungskreis zuweist. Die Amtsvollmacht wird wie bisher über die Ordination erteilt.

Während der jüngsten BAV an Pfingsten 2017 in Wien stand das Thema „Leitungsfunktion“ im Mittelpunkt. Demnach wird die geistliche Leitung der Gemeinden, Bezirke und Gebiete zwar von ordinierten Ämtern ausgeübt. Sie ist aber nicht mit der geistlichen Vollmacht verbunden. Deshalb werden solche Aufgaben künftig nur noch per Beauftragung – in der Regel durch einen Apostel – übertragen. Sie wird kniend empfangen.

Neben den Führungsaufgaben gibt es noch weitere geistliche Dienste, die nicht unbedingt mit einem Amt in Zusammenhang stehen, wie etwa Lehrtätigkeiten. Solche Dienste werden zukünftig per Ernennung durch einen leitenden Amtsträger übertragen. Dabei wird um den Segen zur Erfüllung der Aufgabe gebetet. Sämtliche Entscheidungen werden in der anstehenden Sonderausgabe 4/2017 der Amtsträger-Zeitschrift „Leitgedanken“ vorgestellt und erklärt.

Auswirkungen auf die Struktur

Bereits festgelegt ist, wie sich diese Entscheidungen auf den Apostelkreis auswirken: Bezirksapostel haben eine besondere Führungsverantwortung und werden deshalb in Zukunft zu ihrem Dienst beauftragt. Stammapostel- und Bezirksapostelhelfer werden hingegen ernannt. Der Stammapostel wird jedoch weiterhin ordiniert, weil er den Petrusdienst ausübt und die Schlüsselvollmacht verwaltet, und somit die Leitung der Gesamtkirche wahrnimmt.

Die Unterscheidung zwischen geistlichem Amt und Führungsfunktion wird auch Auswirkungen auf das priesterliche Amt haben, machte der Stammapostel deutlich. Er stellte die Frage, ob die gegenwärtige hierarchische Struktur den aktuellen Bedürfnissen der Kirche noch angemessen ist. „Es ist meine Überzeugung, dass wir mehr denn je klar definierte Verantwortungen, fest umrissene Aufgaben und vor allem mehr Flexibilität brauchen!“

Die nächsten Schritte

„In den kommenden Monaten werden wir uns zuerst mit den priesterlichen Ämtern und dann mit dem Diakonenamt beschäftigen“, kündigte der Kirchenleiter an. „Die Ordinationen, die bisher vollzogen wurden, sind und bleiben voll gültig! Wir stellen unsere Kirche nicht auf den Kopf!“ Weitergehende Fragen – wie nach der Besetzung von Ämtern etwa durch Frauen – könnten erst beantwortet werden, wenn diese grundlegenden Strukturen geklärt seien.

Eine ganz praktische Entscheidung ist bereits getroffen. Sie betrifft die Leitung der Gottesdienste. Bislang lag diese grundsätzlich beim „ranghöchsten“ Amtsträger vor Ort. „Da allen priesterlichen Ämtern die gleiche Amtsvollmacht zugeordnet ist, ist es eigentlich nicht zwingend, die Amtshierarchie bei der Leitung von Gottesdiensten zu berücksichtigen.“ Deshalb können Priester künftig den Gottesdienst, auch in Anwesenheit zum Beispiel des Vorstehers leiten. Die Umsetzung regeln jeweils die Bezirksapostel.

„Es ist für mich als Stammapostel eine heilige Aufgabe, den Entscheidungsprozess zu steuern und dafür zu sorgen, dass sich die Beschlüsse für die weltweite Kirche segenreich auswirken können“, sagte Jean-Luc Schneider. „Ich kann verstehen, dass hier und da ein wenig Ungeduld aufkommt. Aber ich bestehe darauf, dass wir in dieser Angelegenheit gründliche Arbeit leisten. Das braucht natürlich viel Zeit, aber das ist für die Einheit der Kirche unerlässlich.“

Weitere Berichte zu den Ausführungen des Stammapostels und den Beschlüssen der Bezirksapostelversammlung bietet das Nachrichtenportal nac.today.

NAK von A-Z

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