NAK International

Ökumene - doch kein heißes Eisen unter neuapostolischen Christen?

07.06.2014 Von: A. Rother

Podiumsgespräch zum Thema Ökumene

Dr. Maria Stettner, ACK Bayern

Prof. Dr. Helmut Obst und Dr. Reinhard Hempelmann

Apostel Volker Kühnle und Dr. Burkhard Neumann (Fotos: NAK Süd)

München/Zürich. Ökumene - doch kein heißes Eisen unter neuapostolischen Christen? Dieser Eindruck drängte sich während einer zentrale Podiumsdiskussion zum Thema "Ein Jahr Katechismus" beim Internationalen Kirchentag in München auf. Der Applaus gab den Ton an.  Einige Tausend Zuhörer waren in die Olympia-Halle gekommen. Und sie machten recht deutlich, welche Aussage vom Podium sie unterstützen. Fast überrascht schienen die Diskussionsteilnehmer, Ökumene-Fachleute der verschiedenen Konfessionen, von der Offenheit des Publikums.

Mit von der Partie waren: Dr. Reinhard Hempelmann (Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin); Apostel Volker Kühnle (Arbeitsgruppe "Kontakte zu Konfessionen und Religionen"); Dr. Burkhard Neumann (Direktor Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik, Paderborn); der bekannte Konfessionskundler Prof. Helmut Obst (Halle/Saale) sowie Dr. Maria Stettner (Geschäftsführerin Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Bayern, München). Die Moderation auf der Bühne übernahm Bischof Peter Johanning, Kirchensprecher der NAK International.

Zum Publikumsliebling avancierte Prof. Obst. Mit drei Aussagen skizzierte er schnell den roten Faden der Podiumsdiskussion: Der Buchautor räumte ein, dass er sein Standardwerk über die Neuapostolische Kirche heute nicht mehr mit dem Untertitel "Die exklusive Endzeitkirche?" versehen würde. Ökumene bedeute nicht, "einen Einheitsbrei" herzustellen. Einen Wunsch habe er allerdings noch: Das auch die anderen Christen als "Gotteskinder" angesehen würden. Denn sonst könne man eigentlich nicht gemeinsam im "Vaterunser" zum gemeinsam Vater im Himmel beten.

Katechismus - das Grundlagenwerk

Ziel des Katechismus sei es nicht, die Ausgangslage für eine Annäherung an die anderen Kirchen zu verbessern. Das betonte Apostel Kühnle. Vielmehr gehe es darum, die Grundlagen des neuapostolischen Glaubens zu dokumentieren, zu bündeln und zu festigen. "Wer glaubt durch ökumenische Gespräche würde unsere Kirche ihre Identität verlieren, der hat den Katechismus nicht gelesen."

Tatsächlich habe der Katechismus aber die Beschäftigung der anderen Konfessionen mit der Neuapostolischen Kirchen neue Impulse gegeben, erläuterte Dr. Hempelmann. Und teilweise könne das Lehrwerk auch anderen Kirchen Impulse für die Beschäftigung mit ihrem eigenen Glauben geben, ergänzte Dr. Stettner mit Blick auf die neuapostolische Eschatologie, der Lehre von den Letzten Dingen.

Zurückhaltung versus Vertrauen

Es herrsche noch ein gewisse Zurückhaltung, waren sich die evangelischen und der katholische Vertreter einig. Man warte ab, wie sehr die theologischen Gedanken auch in den Gemeinden gelebt würden, erläuterte Dr. Neumann. Darüber hinaus brauchten die Beobachter durchaus ihre Zeit, um sich von lange gültigen Bewertungen zu lösen. "Haben Sie Geduld", lautete der Appell. Und: "Suchen Sie das persönliche Gespräch." Denn nötiges Vertrauen entstehe am besten auf der zwischenmenschlichen Ebene.

Im Anschluss an das Podiumsgespräch auf der großen Bühne in der Olympiahalle, diskutierten die Ökumenegäste noch am Stand "Meine Kirche" mit rund 100 interessierten Besucherinnen und Besuchern. Sie beantworteten geduldig und kompetent zahlreiche Fragen und standen sogar für persönliche Anfragen zur Verfügung.

Kategorie: NAKI News, Pfingsten, Pfingstveranstaltungen, Europa, Deutschland, Schweiz, Frankreich