NAK International

Neuapostolische Kirche und Ökumene

16.11.2010

Mitglieder der Projektgruppe Ökumene: Apostel Rolf Wosnitzka, Bischof Paul Imhof, Apostel Volker Kühnle, Bischop Hanspeter Nydegger (bis 2008) und Bezirksältester Peter Johanning (Foto: NAKI)

Zürich. In der Ausgabe 1/2001 der Zeitschrift „Unsere Familie“ berichteten wir bereits über das Thema Neuapostolische Kirche und Ökumene. Der Artikel befasste sich mit den Aktivitäten der im Oktober 1999 durch Stammapostel Richard Fehr eingerichteten Projektgruppe Ökumene. In den gut zehn Jahren haben sich vielfältige Gesprächskontakte ergeben. Wie ist der Stand heute?

Mittlerweile gibt es in Deutschland sieben Gastmitgliedschaften von neuapostolischen Gemeinden in lokalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK): Aschaffenburg, Göttingen, Halle/Saale, Hameln, Hannover-Mitte, Marburg und Memmingen. Außerdem besteht ein Beobachterstatus in der ACK Wetterau in Hessen. Als Gastmitglieder haben die neuapostolischen Gemeinden zwar kein Stimmrecht, nehmen aber an den regelmäßigen Sitzungen beratend teil und können ökumenische Aktivitäten vor Ort mit gestalten.

In der Schweiz gibt es im Kanton Bern seit Jahren eine Gastmitgliedschaft der neuapostolischen Gemeinde Bern in der dortigen kantonalen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (AGCK) sowie seit 2008 der neuapostolischen Gemeinde Frutigen in der lokalen AGCK. Die Gastmitgliedschaften im Kanton Baselland und der Stadt Basel sind neu hinzugekommen.

In den vergangenen zehn Jahren wurde die Projektgruppe Ökumene vielfach zu ökumenischen Gesprächsrunden eingeladen, um unsere Kirche aus erster Hand vorzustellen. Dankbar stellen wir fest, dass die Gespräche in großer Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung geführt worden sind. Dadurch konnten das gegenseitige Kennenlernen nachhaltig gefördert und Misstrauen und Vorbehalte maßgeblich abgebaut werden.

Für eine Annäherung der Neuapostolischen Kirche zu Kirchen und christlichen Gemeinschaften, die in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zusammengeschlossen sind, sprechen vor allem folgende Gründe:

  • Allgemein wird das Christentum in Westeuropa zahlenmäßig schwächer, sein Einfluss sinkt. Neben der zunehmenden Säkularisierung in Europa, sind vor allem die stärker werdenden nicht-christlichen Weltreligionen auf dem Vormarsch. Es ist aus Sicht der Kirchenleitung richtig, wenn die Gemeinschaften, die sich zu Christus bekennen, näher zusammenrücken.
  • Das heute allgemein gültige ökumenische Prinzip der „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ macht aus unserer Sicht eine Beteiligung möglich und sinnvoll.  Dieses Prinzip sichert den einzelnen Kirchen und christlichen Gemeinschaften bei allen ökumenischen Bestrebungen die  Wahrung ihrer Identität, d.h. wir werden unser neuapostolisches Profil nicht aufgeben.
  • Die ACK-Mitgliedschaft sorgt für eine bessere Akzeptanz in der Öffentlichkeit.
  • Als Neuapostolische Kirche bringen wir in die ökumenischen Gespräche unsere Glaubensüberzeugung vom wiederkommenden Christus als Bräutigam ein, die in der allgemeinen Christenheit weitgehend in den Hintergrund getreten ist.

Diese wesentlichen Gründe ermutigen uns, die Gespräche mit anderen Konfessionen fortzusetzen. Doch dafür ist noch viel Klärungsarbeit zu leisten. Unsere Kirche und ihre Lehre sind immer noch zu wenig bekannt, zu viel gegenseitiges Misstrauen ist noch vorhanden. Unsere langjährige Distanz zur Ökumene macht eine raschere Annäherung kaum möglich. Es handelt sich dabei um einen langjährigen Prozess.

» Vertiefende Hintergrundinformation zum Thema Ökumene

 

Wesentliche Gesprächsgrundlage innerhalb der Ökumene ist die so genannte „Charta Oecumenica“. Dieses Dokument wurde 2001 von den meisten europäischen Kirchen unterzeichnet und gilt als Leitlinie für die wachsende Zusammenarbeit der Kirchen in Europa. Sie hat keinen lehramtlich-dogmatischen oder kirchenrechtlich-gesetzlichen Charakter, sondern spricht Empfehlungen aus.

Kategorie: NAKI News