NAK International

Geschichtspapier wird aus dem Internet entfernt

14.06.2010

Stammapostel Leber auf dem Informationsabend im Dezember 2007 (Foto: NAKI)

Zürich. Die Ausarbeitung „Die Neuapostolische Kirche in der Zeit von 1938-1955. Entwicklungen und Probleme“ nimmt die Neuapostolische Kirche vom Netz. Stammapostel Wilhelm Leber begründet das mit seinem Willen, ein „weiteres Zeichen der Versöhnung“ zu setzen. Viele Einwände seien gekommen, seitdem das Papier nach dem Informationsabend vom 4. Dezember 2007 öffentlich zugänglich gemacht wurde.

4. Dezember 2007: Am Hauptsitz der Neuapostolischen Kirche International in Zürich findet ein Informationsabend statt, der via Satellit in alle deutschsprachigen Gemeinden der Neuapostolischen Kirche in Europa übertragen wird. Im Auftrag der Kirchenleitung hält Apostel Walter Drave, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Geschichte der Neuapostolischen Kirche, einen Vortrag über die Jahre 1938-1955. Kernpunkt der Aussagen: die so genannte „Botschaft“ von Stammapostel Johann Gottfried Bischoff sei allenfalls der Anlass dafür gewesen, warum sich die späteren Apostel der Apostolischen Gemeinschaft von der Neuapostolischen Kirche lossagten. Diese Aussage führte im Nachhinein zu heftigen Kontroversen innerhalb und außerhalb der Kirche.

Soll kein Zankapfel bleiben

Dazu Stammapostel Leber: „Ich will zum 50. Todestag von Stammapostel Bischoff ein weiteres Zeichen der Versöhnung setzen. Zwar ist die von der AG Geschichte ausgearbeitete Gesamtschau über die Jahre 1938-1955 nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unserer eigenen Geschichtsaufarbeitung, sie soll jedoch kein Zankapfel bleiben. Wir haben es gut gemeint und auf dem Boden von Archivmaterial eine Bewertung vorgenommen. Dennoch will ich nicht einen bleibenden Graben zu den anderen apostolischen Gemeinschaften aufrecht erhalten, sondern viel lieber eine Verständigung unter allen Beteiligten über diese schwierigen Jahre erreichen. Das geht offenbar nur, wenn wir die Ausarbeitung ersatzlos aus dem Internet entfernen.“

Bedauern öffentlich gemacht

Mehrfach hatte der internationale Kirchenleiter nach dem Informationsabend sein Bedauern über die Reaktionen zum Ausdruck gebracht. In einem Artikel in der Kirchenzeitschrift „Unsere Familie“ von Juni 2008 bestätigte der Stammapostel, dass ihm an einer sachlichen Aufarbeitung der Geschichte gelegen war. „Wir wollten weder Schuldige finden noch jemanden an den Pranger stellen.“ Sein Anliegen sei Versöhnung – „wie ich jetzt weiß, kam das am Informationsabend nicht richtig zum Ausdruck.“

Auch dem Vorwurf, er hätte Zeitzeugen zu wenig Raum für ihre Aussagen eingeräumt, war das Kirchenoberhaupt durch zwei ausführliche Zeitzeugenbefragungen entgegen getreten.

 

Hintergrund: Zu Weihnachten 1951 verkündete der damalige Stammapostel Johann Gottfried Bischoff, dass Jesus Christus zu seiner Lebenszeit wiederkommen werde. Diese Verkündigung ist unter dem Begriff „Botschaft“ geläufig. Der Stammapostel führte sie auf eine persönliche Offenbarung Jesu Christi zurück. Damit erhielt sie eine besondere Autorität und Verbindlichkeit. Stammapostel Bischoff starb am 6. Juli 1960.