NAK International

Stammapostel Wilhelm Leber: "Mit zitternder Seele stehe ich vor euch!"

20.05.2005

Stuttgart. Es war sehr still im Rund der bis auf den letzten Platz besetzten neuapostolischen Zentralkirche in Fellbach bei Stuttgart. Stammapostel Richard Fehr hatte gerade der Gemeinde bekannt gegeben, dass er im Lauf des Gottesdienstes den Bezirksapostel Wilhelm Leber als seinen Nachfolger ordinieren wird (siehe Bedeutung des Stammapostelamtes).

Im ersten Teil des Pfingstgottesdienstes richtete der bis zu dem Zeitpunkt noch amtierende Stammapostel Richard Fehr ein Grußwort (siehe Liste der Grußworte unten) an alle neuapostolischen Gemeinden weltweit: "Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint." (Matthäus 24,44). Der Stammapostel forderte die Gläubigen auf, am Wort des Gottessohnes zu bleiben und auszuhalten im Wachen und Beten.

Am Ende seiner Predigt dankte er den vielen Glaubensgeschwistern in aller Welt für ihre Liebe und Zuneigung. Ein herzliches Dankeschön für ihre unermüdliche Arbeit richtete er an alle Amtsträger. Auch den rund 360 Aposteln, die vor dem Altar saßen, dankte er für die Einheit im Geist.

Danach bat er Bezirksapostel Wilhelm Leber, den er am Ende des Gottesdienstes in das Amt des Stammapostels ordinierte, mit der Predigt fortzufahren. Dr. Wilhelm Leber ist Deutscher und war bislang Bezirksapostel in den Gebietskirchen Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen (siehe Lebenslauf). Der 57-jährige promovierte Mathematiker stand mit zitternder Seele am Altar. Der erste Gedanke, den er in seiner Predigt äußerte: "Gott, sei mir Sünder gnädig."
Er griff den Pfingstgedanken vom Anfang des Gottesdienstes noch einmal auf. Dabei erinnerte er an Petrus, der vom Herrn Jesus Christus dreimal gefragt wurde, ob er ihn liebe. Dazu sagte er: "Die Liebe zu unserem Sender Jesus Christus ist das Fundament des Stammapostelamtes." Er bekannte freimütig, dass die Spekulationen der letzten Zeit zur Nachfolgeregelung des Stammapostels nicht spurlos an ihm vorüber gegangen seien. Er betonte aber, dass er mit Mut nach vorn sehen wolle. Danach dankte er seinem Vorgänger, Stammapostel Richard Fehr für die 17 Jahre dauernde, großartige Führung, für die Liebe und für seinen Eifer.

Mit dem Bekenntnis "Ich reiche euch beide Hände. Ich verspreche euch, ich werde euch immer lieben!" beendete Bezirksapostel Wilhelm Leber seine Pfingstpredigt. Daraufhin ordinierte ihn der scheidende Stammapostel Richard Fehr zu seinem Nachfolger und damit zum neuen Stammapostel der Neuapostolischen Kirche. Nach seiner Ordination setzte Stammapostel Wilhelm Leber seinen Vorgänger mit bewegenden Worten der Dankbarkeit, auch an dessen Ehefrau Sonja Fehr, in den Ruhestand.

 

Bedeutung des Stammapostelamtes:

Das Haupt der Kirche ist Christus. Der Stammapostel leitet die Neuapostolische Kirche weltweit, er ist ihr oberster geistlicher Repräsentant. Damit entscheidet er über alle Angelegenheiten, die die Gesamtkirche betreffen, vornehmlich in Fragen der Lehre und Seelsorge. Zur Entscheidungsfindung bedient er sich der Bezirksapostelversammlung oder anderer von ihm eingesetzter Gremien.

Weitere Ausführungen über die Struktur und Organisation der Neuapostolischen Kirche.Strukturen und Amtsaufgaben

 

Liste der Grußworte:

Die so genannten Grußworte des Stammapostels zum Pfingstgottesdienst haben eine gewisse Tradition in der Neuapostolischen Kirche. An dem im Gottesdienst mit besonderem Nachdruck verkündeten Textwort aus der Heiligen Schrift sollen sich die neuapostolischen Glaubensgeschwister in aller Welt ein Jahr lang erbauen.

Da zu Pfingsten meist größere, häufig sogar internationale Gottesdienste stattfinden, die per Satellit in alle Welt ausgestrahlt werden, tragen solche gemeinsam gehörten und doch individuell erlebten Textworte aus der Heiligen Schrift einen hohen Integrationswert. Zugleich nehmen die Grußworte sehr deutlichen Bezug auf das Glaubensziel der neuapostolischen Christen: das Kommen des Gottessohnes Jesus Christus zur Heimholung seiner Braut.

Hier die Pfingst-Grußworte von Stammapostel Richard Fehr (1988 - 2005):

 

1988:

Maranata! [Unser Herr kommt!] (1. Korinther 16, aus 22)

 

1989:

Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. - Amen, ja, komm, Herr Jesus! Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! (Offenbarung 22,20.21)

 

1990:

Denn "nur noch eine kleine Weile, so wird kommen, der da kommen soll, und wird nicht lange ausbleiben. Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben. Wenn er aber zurückweicht, hat meine Seele kein Gefallen an ihm" (Habakuk 2,3.4). Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten. (Hebräer 10,37-39)

 

1991:

Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. (Jakobus 5,8)

 

1992:

Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! (Offenbarung 3,11)

 

1993:

Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt. (Matthäus 24,21.22)

 

1994:

Selig ist, der da liest und die da hören die Worte der Weissagung und behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe. (Offenbarung 1,3)

 

1995:

Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde, in der der Menschensohn kommen wird. (Matthäus 25,13)

 

1996:

Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er's bei ihnen lange hinziehen? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird, meinst du, er werde Glaube finden auf Erden? (Lukas 18,7.8)

 

1997:

Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. (1. Korinther 15, aus 51.52)

 

1998:

Doch was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme. (Offenbarung 2,25)

 

1999:

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. (Offenbarung 1, aus 4)

 

2000:

Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, einem jedem zu geben, wie seine Werke sind. (Offenbarung 22,12)

 

2001:

Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel; woher wir auch erwarten den Heiland, den Herrn Jesus Christus, der unsern nichtigen Leib verwandeln wird, dass er gleich werde seinem verherrlichten Leibe nach der Kraft, mit der er sich alle Dinge untertan machen kann. (Philipper 3,20.21)

 

2002:

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. (Jakobus 5,7.8)

 

2003:

Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. (Offenbarung 20,6)

 

2004:

Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. (2. Petrus 3,9)

 

2005:

Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint. (Matthäus 24,44)

 

(Alle Texte aus der Lutherübersetzung 1984)

Kategorie: NAKI News