Humanitäre Projekte

In Sambia droht eine Hungersnot

10.04.2008

Evakuierte Familien in Sambia

Überflutungen in vielen Provinzen (Fotos: NAK-karitativ)

Dortmund/Lusaka. Die dreimonatige Regenzeit in Sambia bescherte einigen Provinzen so schwere und lang andauernde Regenfälle, wie sie seit Menschengedenken nicht vorgekommen sind (wir berichteten). „NAK-karitativ“, die deutschlandweite Hilfsorganisation der Neuapostolischen Kirche mit Sitz in Dortmund, rechnet im Verlauf der Monate Mai bis November mit einem massiven Bedarf an Lebensmittelhilfen, da dem Land eine allgemeine Hungersnot bevorsteht. Bernd Klippert, Geschäftsführer von „NAK-karitativ“, veranschlagt für die akute Hilfe mindestens 350.000 Euro. Für die spätere Lebensmittel- und Saatguthilfe kommen weitere 500.000 Euro dazu.

Die Folgen der Regenkatastrophe sind besonders in der Landwirtschaft verheerend: Viele Bauern mussten erleben, wie die neue Aussaat, die sie zu Beginn der Regenfälle auf die Felder gebracht hatten, von den Wassermassen ausgeschwemmt wurden. Gerade der Mais, der sich schon zu einer gewissen Höhe entwickelt hatte, wurde durch das wochenlang auf den Äckern stehende Wasser so geschädigt, dass die Pflanzen abstarben und nach Ende der Regenfälle vertrockneten. Selbst auf großen Feldern, die in normalen Jahren den Bauern eine ausreichende Selbstversorgung und auf den Märkten zu veräußernde Überschüsse garantierten, wird in diesem Jahr nicht ein einziger Maiskolben zu ernten sein. Für eine neue Aussaat ist es zu spät.

Ein Totalausfall droht auch beim Baumwollanbau. Diese Nutzpflanze wird vor allem in einigen Maisregionen als zweite Einkommensquelle angebaut. In diesem Jahr werden die Pflanzen, die nicht total vernichtet wurden, nur notgereifte Fruchtstände entwickeln und nicht zu verkaufen sein.

Alle Landstriche sind betroffen

Betroffen sind nicht nur die Flussniederungen sondern auch die Hochebenen. Selbst im hügeligen Gebiet sind schwere Ernteausfälle zu beklagen. Allein unter den Kirchenmitgliedern muss mit etwa 200.000 betroffenen Personen gerechnet werden. Noch härter trafen die Regenfälle und die durch sie ausgelösten Überflutungen, solche Familien, die direkt in den Flussniederungen leben.

„NAK-karitativ“ berichtet, dass Menschen oft über Nacht durch die Regenmassen überrascht wurden. In überstürzten Evakuierungen konnten sie nur das retten, was sie auf der Haut trugen und neben ihren Kindern noch tragen konnten. Diese Familien verloren wirklich alles: Hütten; Hausrat, Arbeitsgeräte und sonstigen Besitz. Die von vielen Fischern bewohnten Inseln sind auch jetzt noch überflutet. Eine Rückkehr der Menschen wird vor Ende Juni nicht möglich sein. Sie alle leben in unzulänglichen Notlagern, nicht ausreichend geschützt vor der Hitze des Tages und der Kälte der Nacht.

An einigen Orten werden neuapostolische Kirchengebäude als Notunterkünfte genutzt. In Chanyanya am Kafue-River schlafen rund 120 Personen dicht gedrängt auf dem Betonboden des Kirchenraums. Tagsüber spielt sich das Leben im Freien ab. Schon jetzt kann nicht an jedem Tag eine warme Mahlzeit bereitet werden. Die Lage dieser Personen ist verzweifelt und nur durch sofortige Hilfe zu mildern.

Kirchliche Planungen (Soforthilfe)

Bezirksapostel Charles Ndandula, Leiter der Neuapostolische Kirche in Sambia, hat ein kirchliches Nothilfe- Komitee eingerichtet. Eine erste Soforthilfe soll zunächst evakuierten Familien zur Verfügung gestellt werden. Unterstützt werden nicht allein die Gemeindemitglieder, sondern alle in Notunterkünften lebende Menschen. Diese Ersthilfe umfasst vorzugsweise Lebensmittel, Bekleidung und Wolldecken. Später soll vor allem Saatgut gespendet werden, damit die neue Aussaat beginnen kann, bevor die nächste Regenzeit kommt.

Nach Einsschätzung von „NAK-karitativ“ ist zudem die Intensivierung der bereits angelaufenen Hungerpräventionsprogramme dringend erforderlich. Die Katastrophe habe deutlich nachgewiesen, so Bernd Klippert, dass der in den Projekten favorisierte diversifizierte Feldanbau mit Kassava (Maniok) und Süßkartoffeln die extremen Folgen der schweren Regenfälle weit besser überstanden habe. Diese Familien können wenigstens ihre eigene Ernährung sichern.

„NAK-karitativ“ veranschlagt für die akute Hilfe zunächst mindestens 350.000 Euro. Für die spätere Lebensmittel- und Saatguthilfe werden mindestens weitere 500.000 Euro benötigt. Aus den vorhandenen Reserven der Hilfsorganisation allein können diese Mittel nicht aufgebracht werden. „NAK-karitativ“ bittet deshalb um Unterstützung.

Weitere Informationen zum Thema sowie die Spendennummern erfahren Sie auf der Webseite von „NAK-karitativ“.