Berichte aus aller Welt

Projekt "Neues Gesangbuch": Nur noch wenige Tage bis Ostern!

15.03.2005

Zürich. Es sind nur noch wenige Tage bis zum Gottesdienst am Ostersonntag. Für die Mitglieder der Neuapostolischen Kirche in Deutschland bedeutet das: das neue neuapostolische Gesangbuch wird offiziell eingeführt! Schon jetzt singen die Gemeinden aus dem neuem Gesangbuch, allerdings probeweise nach den Gottesdiensten, um bis Ostern einen gewissen Grundstock an Liedern parat zu haben. Es kommen viele neue Texte oder neue Melodien auf die Gemeindemitglieder zu und selbst altvertraute Lieder sind oft leicht verändert worden.

Das jetzige Gesangbuch ist fast 80 Jahre alt. Die Kirchenleitung der Neuapostolischen Kirche hatte sich bereits vor geraumer Zeit für eine Neuauflage entschieden. In rund 50 Sitzungen der zuständigen Projektgruppe Gesangbuch und in mehrfachen Abstimmungen mit dem Stammapostel und den Bezirksaposteln gewann das "Jahrhundertprojekt Neues Gesangbuch" erste Konturen.

 

 


Die Geschichte des neuapostolischen Gesangbuches - ein Rückblick

Nur spärlich sind die Hinweise zum Gemeinde- und Chorgesang in den Gottesdiensten während der Anfangszeit der Neuapostolischen Kirche. Es fehlen konkrete Hinweise darauf, wer die Gesangbücher im vorletzten Jahrhundert zusammengestellt und bearbeitet hat. Das erste bekannte Andachtsbuch von 1864 enthält ein Weihegebet für Sänger und Organisten. Darin ist von Dienern und Dienerinnen die Rede, die mit geistlichen Liedern, Psalmen und Lobgesängen Gottes Namen ehren und die Gemeinde erbauen sollen. Es enthält auf 25 Seiten Bibellektionen für die täglichen Gottesdienste. Auf weiteren 291 Seiten werden genaue Angaben über den Verlauf von Gottesdiensten zu allen denkbaren Gelegenheiten gemacht. Den letzten Teil des Buches bilden "Der Psalter nebst einem Verzeichnis der beweglichen Festtage" und zwei "Psalmen-Tabellen".

Ein neues Buch "Die Liturgie" mit dem Untertitel "Andachtsbuch zum Gebrauch bei allen Gottesdiensten der apostolischen Gemeinschaft" erschien ohne Jahresangabe. Im ersten Teil des Buches sind 32 Lieder enthalten, die den Bedarf eines normalen Gottesdienstes decken. Die meisten dieser Lieder stammen aus dem evangelischen Liedgut und werden nach den bekannten Choralmelodien gesungen. Dazwischen sind liturgische Gesänge abgedruckt und immer wieder kurze Anweisungen für den Dienstleitenden. Weitere Lieder sind für die Festtage Advent bis Pfingsten vorgesehen. Wieder sind es bekannte Texte und Melodien.

Im zweiten Teil des Andachtsbuches werden zu den jeweils drei Liedern zur Taufe, Konfirmation und Trauung wieder Anleitungen zur Durchführung dieser Handlungen gegeben. Im dritten Teil, dem Anhang, tauchen Lieder der freikirchlichen Gemeinschaften auf.

Das "Apostolische Gesangbuch nebst einer kurzen Anleitung für den Gottesdienst" erscheint kurz vor 1900. Es enthält anfänglich 390 Lieder und wird 1900 um einen Anhang von 131 Liedern erweitert. Die Choräle und choralähnlichen Lieder des Vorläufers werden vom Liedgut der Erweckungsbewegung und der freikirchlichen Gemeinschaften verdrängt. Texte und Melodien werden aus deren Liedersammlungen übernommen. 1900 erscheint zur Textausgabe dieses Gesangbuches die erste Notenausgabe. Sie enthält 522 Lieder, also ein Lied mehr als die Textausgabe.

 

 


Das neuapostolische Gesangbuch

In einer Apostelversammlung im Juli 1908 wurde die Herausgabe eines neuen Gemeindegesangbuches beschlossen. Neben der Textausgabe, die im September 1909 mit 645 Liedern erschien, stand ab September/Oktober 1910 eine Chorausgabe mit zusätzlich 55 Liedern und 13 "liturgischen Gesängen" zur Verfügung. Zudem gab es ein "Melodienbuch zum Gebrauch für Chordirigenten, Orgel- und Harmoniumspieler". Es wird sowohl in der Textausgabe als auch in der Notenausgabe mit aufschlussreichen Begleitworten (Vorworten) versehen. In beiden Ausgaben sind die Lieder in drei Sachgebiete geordnet.

Das gegenwärtige Gemeindegesangbuch stammt aus dem Jahr 1925. Es enthält 652 Lieder. Aus der Ausgabe 1908 wurden 396 Lieder übernommen, die auch fast alle unter der gleichen Nummer ihren Platz behalten haben. Neue Lieder stammen vorwiegend aus dem evangelischen Gesangbuch des Fürstentums Minden und der Grafschaft Rafensberg (Ausgabe 1893) und dem Gesangbuch für die evangelisch-christlichen Einwohner des Herzogtums Nassau, aber auch Lieder anderer Glaubensgemeinschaften wurden aufgenommen.

Das Gemeindegesangbuch von 1925 ist nun fast 80 Jahre im Gebrauch. Viele Lieder gehören zum festen Bestand neuapostolischer Gottesdienste. Das neue Gesangbuch wird Ostern offiziell in Gebrauch genommen, seine Lieder sollen Würde ausstrahlen und eine heilige Atmosphäre schaffen: Alles zur Ehre Gottes.