Berichte aus aller Welt

Die PG Gegenwartsfragen: Antworten auf Zeitfragen sind eine kirchliche Verpflichtung

09.12.2004

Darin, dass es eine kirchliche Verpflichtung darstellt, Zeitfragen zu beantworten, sind sich die Mitglieder der PG Gegenwartsfragen einig. Dennoch ist es für sie keine Pflichtübung, in den etwa 18 zusätzlichen Arbeitstagen im Jahr zusammen zu kommen. "Unsere Arbeit soll eine Unterstützung der Seelsorge sein!", so ihr einhelliges Urteil.


Werner Kühnle (55), Apostel aus Süddeutschland, von Anfang an dabei, leitet die Projektgruppe Gegenwartsfragen seit 2002. Sein Vorgänger, der Apostel i.R. Theo Hirschi (68) aus der Schweiz, war seit dem Gründungsjahr 1987 Vorsitzender der Projektgruppe. Er wurde im Dezember vorigen Jahres aus der Gruppe verabschiedet. Mit ihm schieden auch der Hirte i.R. Arnold Schönrock, ebenfalls Süddeutschland und Apostel Gerrit Sepers (57, NAK Nederland) aus, sodass noch drei Mitglieder übrig bleiben: Apostel Werner Kühnle, Schwester Dr. med. Bärbel Wolff (Süddeutschland) und Roland Eichenberger, Priester aus der Schweiz.

Erste Themen waren AIDS, Depression und Homosexualität. Später kamen weitere hinzu. "Im Lauf der Jahre haben wir gut 20 verschiedene Themen erarbeitet, die nach und nach in die kirchliche Arbeit eingeflossen sind", weiß Apostel Kühnle zu berichten. Themen heißt: Eine Frage, ein Thema, ein Projekt wird der Kirchenleitung bzw. Bezirksapostelversammlung vorgelegt und die PG wird vom Stammapostel beauftragt, eine Stellungnahme auszuarbeiten. An solche Ausarbeitungen werden bestimmte Kriterien geknüpft: die Sicht des neuapostolischen Glaubens steht im Mittelpunkt, die Zielgruppen sind vorzuschlagen, ein Einführungskonzept ist zu erarbeiten. Schließlich gehen solche Ausarbeitungen den langen aber notwendigen Weg durch die Instanzen: Koordinierungsgruppe, Bezirksapostelversammlung, Stammapostel. Am Ende steht ein fertiges Produkt.


"Es gibt ein Bedürfnis nach kirchlichen Antworten auf die vielen Fragen des Lebens", berichtet Theo Hirschi aus seiner langjährigen Erfahrung als PG-Vorsitzender. Zum Beispiel zum Thema Schwangerschaftsabbruch hat die PG ein eintägiges Symposium mit Fachleuten aus verschiedenen neuapostolischen Gebietskirchen durchgeführt, darunter Ärzte, Psychologen, Juristen. Nach Ende der Beratungen formulierte die PG eine detaillierte Ausarbeitung, die in Form einer Kurzaussage (siehe Kasten 3) u.a. in den "Hausregeln" veröffentlicht wurde. "Kirchen relevant müssen die Themen sein", sagt Werner Kühnle. Damit meint er den direkten Zusammenhang mit der neuapostolischen Seelsorge durch Priester oder den Unterricht durch Lehrer und Lehrerinnen in der Sonntagsschule. Oft hilft der Blick nach außen, wie am Beispiel der Einführung der sog. Suchtbroschüre geschehen (siehe UF 2/03).

Ein neuer Auftrag, an dem die PG zurzeit arbeitet, ist das Thema des Umgangs mit sexuellem Missbrauch in der Seelsorge. Zu klärende Fragen sind u. a.: Was tut die Kirche dagegen? Wie kann Opfern und Tätern geholfen werden? Hierzu wird eine Ausarbeitung erstellt.

Zwei andere Broschüren sind in der Pipeline: "Ehe und Partnerschaft" und "Kindererziehung". Der Grundgedanke, der die Arbeit an beiden Broschüren miteinander verbindet ist, dass es innerhalb der Gesellschaft zu wenig Bezugspunkte für eine kluge, glaubensorientierte Antwort dazu gibt. "Die Kirche muss eigene Antworten zur Kindererziehung oder zur Partnerschaft und Ehe geben", meint Apostel Kühnle. "Erst, wenn Eltern und Eheleute wissen, wie sich verantwortungsvoll entscheiden können, trägt das Prinzip der Eigenverantwortung. Die Kirche will nicht bevormunden, sie will zur verantwortungsvollen Entscheidung führen."

Eine Frage, die immer wieder durchklingt, lautet: was ist förderlich? Apostel Kühnle: "Die vielen gescheiterten Partnerschaften und Ehen sind eine Belastung für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft. Deswegen gibt die Broschüre ausführliche Hinweise aus der Sicht unseres Glaubens zu Grundsätzen der Partnerwahl, für die Zeit vor der Ehe, in der Partnerschaft und Ehe und zum Umgang mit Konflikten in der Ehe und Familie."

Bei der Erarbeitung der Broschüre "Kindererziehung" hat die PG viele Fachbücher gelesen. Über 160 DIN-A4-Seiten Literaturquelltexte wurden erfasst und in eine eigenhändig programmierte Datenbank übernommen. Eltern erhalten so in komprimierter Form wertvolle Hinweise zur Kindererziehung und müssen nicht in verschiedensten Ratgebern danach suchen. Werner Kühnle: "Oberstes Ziel dieser Broschüre ist, Eltern mit hilfreichen Gedanken zu versorgen, wie die Erziehung ihre Kinder für das Leben tüchtig und im Glauben fest machen kann." Hat die Kirche auf diesem Gebiet etwas versäumt oder falsch gemacht? Apostel Kühnle: "Die Broschüre hat keine Vergangenheitsbewältigung zum Ziel, sondern will förderliche Gedanken liefern. Sie gibt Hinweise aus der Sicht unseres Glaubens auf die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes, das Verhalten der Eltern in den verschiedenen Lebensabschnitten des Kindes und den Umgang mit Jugendlichen bis zur Partnerwahl."

Beide Broschüren werden ab 2005 als Verlagsprodukte über UF zu bestellen sein.

Die PG Gegenwartsfragen
Die Projektgruppe Gegenwartsfragen wurde bereits 1987 durch den Stammapostel Hans Urwyler bestellt. Erste Themen damals: AIDS, Homosexualität, Depression. Bis heute wurden insgesamt 21 verschiedene Themen behandelt. Aktuelle Mitglieder sind: Apostel Werner Kühnle, Frau Dr. med. Bärbel Wolff (Süddeutschland) und Roland Eichenberger, Priester aus der Schweiz. Ergebnisse der PG-Arbeit finden sich beispielsweise in den Hausregeln.
Neue Broschüren "Kindererziehung" und "Ehe und Partnerschaft"
Veröffentlichung 2005. Zielgruppe: alle Kinder erziehenden Frauen und Männer sowie Lehrkräfte in Sonntagsschule und Religionsunterricht, Jugendliche, Amtsträger. Inhalt: Die Broschüre "Partnerschaft und Ehe" gibt ausführliche Hinweise zu Grundsätzen der Partnerwahl, zu der Zeit vor der Ehe, zur Partnerschaft in der Ehe, zum Umgang mit Konflikten in der Ehe. Die Broschüre "Kindererziehung" bietet in komprimierter Form wertvolle Hinweise auf die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes, das Verhalten der Eltern in den verschiedenen Lebensabschnitten des Kindes und den Umgang mit Jugendlichen bis zur Partnerwahl.
Kurzfassung Schwangerschaftsabbruch
"Die Neuapostolische Kirche versteht sich als Fürsprecherin des Lebens. Bereits die befruchtete Eizelle ist individuelles Leben, das grundsätzlich ein Recht auf Schutz genießt. Die Neuapostolische Kirche lehnt Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich ab. Allerdings ist sich die Kirche bewusst, dass jeder Fall individuell und ernsthaft betrachtet werden muss. Auf der Suche nach der jeweils richtigen Entscheidung für den einzelnen Fall, kann das Gespräch mit Ärzten und Seelsorgern helfen. Die medizinische Erkenntnis ist aber nur ein Aspekt, der die Betroffenen neben den religiösen und ethischen Fragestellungen beschäftigen muss. Ebenso gilt: Die Kirche wird die eigenverantwortliche Entscheidung der Mutter bzw. des Paares für einen Schwangerschaftsabbruch respektieren und sie, ggf. auch das Kind, unvoreingenommen betreuen. Die seelsorgerische Beratung unterliegt der Schweigepflicht."