3.2.3 Entwicklung der Lehre von der Dreieinigkeit

Das Erkennen der Dreieinigkeit Gottes und ihre Darstellung in Lehrsätzen setzten schon kurz nach Abfassung der neutestamentlichen Schriften ein. Um diese Zusammenhänge sprachlich zu fassen, wurden antike philosophische Begriffe wie „Person“ oder „Hypostase“ sowie „Substanz“ benutzt. Eine Lehre von der Dreieinigkeit zu formulieren, diente zum einen dazu, die aus dem Glauben gewonnene Erkenntnis zu versprachlichen; zum anderen ging es darum, den Glauben vor Irrlehren zu schützen, die ein Gottesbild zu vermitteln suchten, das dem des neutestamentlichen Zeugnisses nicht entsprach. Die Lehre von der Dreieinigkeit wurde auf den ersten Konzilien des vierten und fünften Jahrhunderts ausformuliert.

Der Begriff „Trinität“ wurde von Theophilos von Antiochia, der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts lebte, geprägt; der Kirchenlehrer Tertullian (* um 160, † um 220) machte ihn populär. Tertullian betonte die Einheit Gottes — „eine [göttliche] Substanz [in] drei Personen“ (lat.: „una substantia tres personae“) — und bezog erstmals den Begriff „Person“ auf Vater, Sohn und Heiligen Geist.

Auf dem Konzil von Nizäa (325) wurde die göttliche Wesenseinheit von Vater und Sohn ausdrücklich festgehalten. Unmittelbaren Anlass hierfür gab die Lehre des Arius († 336), der behauptete, dass der präexistente Sohn vom Vater aus dem Nichts erschaffen worden, also die erste Schöpfertat Gottes gewesen sei. Dagegen bestand das Konzil darauf, dass der Sohn kein Geschöpf, sondern von Ewigkeit her Teil der Dreieinigkeit Gottes ist.

Diese als „Arianischer Streit“ bekannte Kontroverse war mit dem Konzil von Nizäa nicht beendet, sondern zog sich bis zum Konzil von Konstantinopel (381) hin. Auf diesem Konzil wurde zum Ausdruck gebracht, dass der Heilige Geist ebenso Person und wahrer Gott ist wie der Vater und der Sohn.

In den darauffolgenden Jahren wurde bis auf wenige Ausnahmen die Trinitätslehre in der Christenheit allgemein anerkannt. Allerdings waren die Überlegungen zur Trinitätslehre noch nicht abgeschlossen. Vor allem durch den Einfluss des Kirchenvaters Augustinus (* 354, † 430) wurde später in der Westkirche betont, dass der Heilige Geist gleichermaßen vom Vater und vom Sohn ausgehe. Dagegen beharrte die Ostkirche auf einer älteren Fassung des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel, die besagt, dass der Heilige Geist vom Vater durch den Sohn ausgehe.

Die Reformatoren haben den Glauben an die Dreieinigkeit Gottes von der alten Kirche (zweites bis sechstes Jahrhundert) übernommen. Die Lehre von der Trinität ist — bis auf die oben genannte abweichende Auffassung über den Heiligen Geist — allen christlichen Kirchen gemein. Sie gehört zu den grundlegenden Aussagen des christlichen Glaubens und ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu den beiden anderen abrahamitischen Religionen, dem Judentum und dem Islam.

Auf der elften Kirchensynode von Toledo (675) wurde verkündigt: „Der Vater ist dasselbe wie der Sohn, der Sohn dasselbe wie der Vater, der Vater und der Sohn dasselbe wie der Heilige Geist, nämlich von Natur ein Gott.“