Aktuelles Wort zum Monat

November 2018: Die verwandelte Gemeinde

Ein bekannter und viel zitierter Aphorismus Friedrich Nietzsches über das Christentum und die Christen lautet: Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!

Auch wenn die Kirchenmusik im 19. Jahrhundert eine Phase des Niedergangs erlebte, wirkt die Unterstellung des Philosophen doch allzu verwegen, aus dem Liedgut ließen sich Rückschlüsse auf das Wesen des Christentums und seine Heilswahrheiten ziehen. Der Vorwurf aber, dass man einem Menschen eigentlich ansehen müsste, was an ihm geschehen ist, hat seine Berechtigung.

In jedem Gottesdienst feiert die Gemeinde Heiliges Abendmahl. Im Sakrament hat sie innige Gemeinschaft mit dem menschgewordenen, auferstandenen und verherrlichten Gottessohn. Nicht jede Abendmahlsfeier findet auf demselben Niveau statt, hat denselben Tiefgang – weil wir unvollkommene Menschen sind, abhängig von Rahmenbedingungen, von manchen äußeren und inneren Faktoren, die uns beeinträchtigen. Aber wenn die Gemeinde so Heiliges Abendmahl gefeiert hat, dass sie die Gegenwart Jesu Christi spüren konnte, dann ist diese Gemeinde eine andere. Da wird keiner mehr angeklagt. Da gibt es keine Vorwürfe mehr. Da überbrückt man, was bis dahin noch ein Hindernis war in der Gemeinschaft. Da hat man die Vergangenheit hinter sich gelassen. Da ist man imstande, auf den Nächsten zuzugehen, den man schon zehn Jahre lang nicht mehr gegrüßt hat. Da hat eine Verwandlung stattgefunden. Das muss man auch sehen können, wenn sich die Kirchentür nach solch einem Gottesdienst öffnet.

Impuls aus einem Gottesdienst des Stammapostels