Wort zum Monat

November 1997: Wachet und betet!

Wir stehen mitten im Leben, kämpfen mit den Problemen des Alltags. Jeder ist Bürger eines Landes und hat entsprechende Pflichten und Aufgaben. Niemand von uns geht völlig abgeschieden durch diese Zeit. Viele müssen sich im Beruf bewähren, und da wird ihnen alles abgefordert; viel Kraft und Wissen gilt es einzusetzen.

Das darf aber nicht dazu führen, daß wir über Hast und Geschäftigkeit unsere ewige Bestimmung vergessen, uns von unserem Glaubensziel ablenken lassen!

Es besteht heute erhöhte Gefahr, im Glauben müde zu werden und einzuschlafen. Wir wollen dies nicht unterschätzen und die Mahnung des Gottessohnes beherzigen: "Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet!" (Matthäus 26, 41). Es ist interessant festzustellen, daß die Jünger Jesu bei Anzeichen äußerer Gefahr keineswegs müde wurden oder einschliefen. Als sich auf dem See der Sturm erhob und sie befürchten mußten, ihr Schiff würde untergehen, konnten sie nicht verstehen, daß ihr Meister inmitten der tobenden Naturgewalten schlief.

Als der Herr Jesus dann im Garten Gethsemane im Gebet mit seinem Vater rang, war die Situation genau umgekehrt. Bei seiner Rückkehr fand er die Jünger schlafend. In den größten seelischen Kämpfen ihres Meisters erkannten sie nicht, worum es ging, daß Entscheidungen von ewiger Tragweite gefällt wurden. Selbst das mahnende Wort des Herrn: "Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen?" reichte nicht aus, ihre Müdigkeit zu vertreiben.

Geht es uns nicht bisweilen auch so? Stehen irdische Belange auf dem Spiel, schwindet alle Müdigkeit, da sind wir hellwach. Stellt sich eine äußere Bedrohung ein, rufen wir gar bald zum Herrn, er möge helfen. Geht es aber um eine Entscheidung, die den Glauben betrifft, ist die Gefahr des Einschlafens groß. Deshalb ist es erforderlich, sich immer wieder am Altar des Herrn bewußtzumachen, wie wichtig das Wachen ist. Bewahren wir uns das Wort Gottes: Es hat Kraft und Gewalt, kann Welten verändern, Herzen formen, Eisen biegen, Steine zum Reden bringen. Vor allem aber hält es die Sehnsucht wach nach der Wiederkunft Jesu und stärkt uns auf dem Weg zum Ziel.

Herzlichst<br/> Ihr

Richard Fehr

 

 

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