Wort zum Monat

Gnade um Gnade

Juni 1997

Die Feststellung des Apostels Johannes trifft auch noch heute auf Gottes Volk zu: Es nimmt von Jesu Fülle Gnade um Gnade! Unter Fülle versteht man einen großen Vorrat, einen gewissen Überfluß, also Besitz, der über das lebensnotwendige Maß hinausgeht. Fülle im göttlichen Sinne ist aber weitaus mehr. Sie umfasst den unerforschlichen Reichtum seiner ewigen Güter. Aus dieser unerschöpflichen Quelle genießen heißt "von seiner Fülle nehmen".

Die Vielfalt der Gnaden, die wir aus Christi Fülle hinnehmen können, ist so umfassend, daß sie nicht vollständig aufgezählt werden kann. Dennoch will ich einige nennen. Eine große Gnade, die uns durch Gott zuteil wird, ist sein Wort, dem Kraft und Gewalt innewohnen, Welten zu verändern, Herzen zu formen, ja sogar Steine zum Reden zu bringen. Ohne Gottes Wort wäre unser Leben arm; stellen wir uns einmal unsere Gefühls- und Gedankenwelt, unser Streben, unsere Wünsche und Hoffnungen vor ohne Gottes Wort - was bliebe uns?

Aus der Fülle nehmen wir auch die Gnade der Vergebung. Ohne sie wüchse unser Schuldenberg unaufhörlich. In unserem irdischen Leben würde das vielleicht noch angehen, denn man kann das Sündenbewußtsein verdrängen und zur Seite schieben. Aber wenn man in die jenseitigen Bereiche geht und den Gesetzmäßigkeiten des geistigen Lebens nicht mehr ausweichen kann, erdrückt dieser Schuldenberg. Deshalb sind wir so dankbar, die Sündenlast durch die Gnade der Vergebung abgenommen zu bekommen.

Wir genießen die Gnade des Heiligen Abendmahls, nehmen mit Leib und Blut Jesu Sinn und Wesen des Gottessohnes in uns auf, erleben die Gnade der Gemeinschaft mit dem Herrn und erfreuen uns der Gnade des göttlichen Friedens, der unserer Seele Ruhe und Sicherheit beschert. Aus der göttlichen Fülle dürfen wir auch die Gnade des Trostes empfangen - welch großartige Gabe in Trauer, Trübsal und Kreuz.

Wer aus der göttlichen Fülle Gnade um Gnade schöpft, erlebt schon auf Erden unermeßliche Seligkeit und wird herrlich gemacht, wenn das Ziel des Glaubens, die ewige Gemeinschaft mit Gott und seinem Sohn, erreicht ist!

Herzlichst grüßt<br/> Ihr

Richard Fehr