Wort zum Monat

Bemüht euch um Speise

Februar 2013

 

Ich möchte auf ein Wort verweisen, das mich in letzter Zeit sehr beschäftigt hat. Dieses Jesuswort lautet: „Schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben.“ (Johannes 6,27).

Ich bin bei den ersten Worten hängen geblieben: „Schafft euch Speise“, das klingt etwas merkwürdig. Wir würden das heute kaum so ausdrücken. Früher hieß es in der Luther-Übersetzung von 1912: „Wirket Speise“, aber auch das macht es nicht viel klarer. Ich meine, es geht mehr in die Richtung: Verschafft euch Speise. Das kann man schon besser verstehen. Ich habe nachgeschlagen, was andere Übersetzungen sagen. In einer moderneren Fassung heißt es: „Bemüht euch um Speise“. Das trifft den Kern: Bemüht euch um Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben.

Der Zusammenhang ist schnell skizziert: Damals waren 5.000 Männer (Frauen und Kinder wurden nicht mitgezählt) gespeist worden mit fünf Broten und zwei Fischen. Das war ein Wunder der Vermehrung, das der Herr bewirkt hat. Die Menschen kamen kurze Zeit später wieder zu ihm. Er gab den Menschen zu verstehen, dass er sich wohl auch um das leibliche Wohl kümmere, aber dass die Speise, die er gibt, darüber hinaus reicht. Dann gab er ihnen diesen Rat: Bemüht euch um Speise, die nicht vergänglich ist. Ich übertrage das so: Lasst das Irdische beiseite, bemüht euch um Nahrung, die zum ewigen Leben dient. Die wird euch der Menschensohn geben, er muss es sein, der sie bereitet.

Das ist die eine Seite: Der Gottessohn gibt die Speise, die zum ewigen Leben dient. Dann gibt es aber auch die andere Seite: Es gehört Bemühen dazu. Ich will diese Speise einmal als Wort Gottes deuten: Speise, die zum ewigen Leben dient, ist das Wort Gottes, das der Herr in den Gottesdiensten schenkt. Nicht jeder wird das als Speise für seine Seele hinnehmen können. Das möchte ich herausstellen: Erst dann wird das Wort zur Seelenspeise, wenn man sich darum bemüht! Das bedeutet, dass man zunächst Verlangen danach hat. Wenn man in den Gottesdienst kommt mit der Einstellung: Mal sehen, was es gibt, verliert man den inneren Bezug dazu, dann bemüht man sich nicht und wird nicht viel aus dem Gottesdienst mitnehmen können.

Anders ist es, wenn man voller Verlangen kommt und sagt: „Lieber Gott, nun zeig mir, wo es bei mir noch mangelt.“ Wenn man den Wunsch hat, wahrhaftig reich zu werden an himmlischen Gütern im Gottesdienst, bemüht man sich. Man ringt sogar darum, dass das Wort wirklich in die Tiefe dringt. Bemüht euch um die Speise, der Sohn Gottes gibt sie. Es gehört das Verlangen der Seele dazu, sich unter das Wort Gottes zu stellen und immer zu prüfen: Was ist für mich Wegweisung und Orientierung für die vor mir liegende Zeit?

Es wird uns manches Mal schon gesagt, ein Gottesdienst ist eine Gemeinschaftsangelegenheit. Das stimmt auch, es muss gemeinsames Bemühen sein, ein Ringen um das Wort Gottes. Es ist nicht eine einseitige Angelegenheit dessen, der den Gottesdienst durchführt. Er muss auch darum ringen, zuerst in der Vorbereitung darauf und dann beim Dienen selbst. Wenn einer sich an den Altar stellen und denken würde: Mal sehen, was es gibt, das wäre nicht die rechte Einstellung, die zum Segen führt. Es ist eine Gemeinschaftsangelegenheit aller miteinander, dass wir darum ringen und uns bemühen, das Wort Gottes von oben als Seelenspeise anzunehmen. Mag das so sein, dass wir das auch wirklich als Seelenspeise empfinden und wahrnehmen, damit dieses Wort uns im Herzen beschäftigt, uns begleitet und wir daraus Schlussfolgerungen ziehen für unsere Zukunft. Lasst uns das in dieser Weise handhaben.

(aus einem Gottesdienst des Stammapostels)