Weihnachten

Blicken wir auf das Weihnachtsgeschehen. Eines Tages sandte Gott den Engel Gabriel in die galiläische Stadt Nazareth zu der Jungfrau Maria, die mit Joseph, einem Mann aus dem Geschlecht Davids, verlobt war. Gabriel begrüßte das Mädchen und sprach zu ihm: "Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben."

Im mosaischen Gesetz gab Gott Anweisungen für Feste im Jahresablauf, die das Volk in besonderer Weise begehen sollte; dazu zählen: das Passahfest mit dem sich unmittelbar anschließenden Fest der ungesäuerten Brote zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten; das Pfingstfest (im Alten Testament als "Fest der Wochen" bezeichnet; ein Erntedankfest für die Weizenernte); das Laubhüttenfest, das zum einen an die Bewahrung des Volkes Israel während der vierzigjährigen Wüstenwanderung erinnerte, zum anderen die Feier zum Abschluss der Weinlese sowie des Danks für die gesamte Ernte darstellte. Im Lauf der Jahrhunderte fügten die Israeliten weitere Festtage hinzu, die mit besonderen Ereignissen in der Geschichte Israels verbunden sind.

Diese jüdischen Feste kannte auch der Herr Jesus von klein auf. Wir lesen, dass seine Eltern ihn als zwölfjährigen Jungen mit zum Passahfest (Luther-Übersetzung: Ostern) nach Jerusalem genommen hatten (vgl. Lukas 2, 41). Am letzten Tag des Laubhüttenfestes lehrte der Herr im Tempel (vgl. Johannes 7, 2. 14). Aus den ausführlichen Schilderungen in den Evangelien wissen wir, dass der Herr Jesus beim Fest der ungesäuerten Brote, beim Passahfest, sich an die jüdischen Gepflogenheiten und Traditionen hielt, mit denen dieses Fest gefeiert wurde: Er aß mit den Aposteln das Passahlamm, nahm dazu ungesäuertes Brot und Wein und sprach mit den Jüngern den Lobgesang (vgl. Matthäus 26, 17; Markus 14, 12; Lukas 22, 1). Wir lesen an keiner Stelle in der Bibel, dass er sich negativ über das Feiern dieser Feste äußerte.

Wie das jüdische Volk, so haben auch alle anderen Völker ihre eigenen Feste. In wohl jedem Land gibt es einen Nationalfeiertag, der sich mit bestimmten Ereignissen verbindet. Auf welches Datum dieser Feiertag gelegt wird, ist Angelegenheit der jeweiligen Regierung. Oft sind es politische Entscheidungen, wie beispielsweise der Tag, an dem ein Land unabhängig wurde oder an dem sich mehrere Staaten zu einem zusammengeschlossen haben.

Wie kam es nun zu christlichen Feiertagen? Zunächst war es das Zusammenkommen der Christen am ersten Tag der Woche gewesen, das diesen als einen Feiertag heraushob: Es war der Tag, an dem Jesus Christus von den Toten auferstanden war. Im Lauf der Zeit entwickelte sich dann das Bedürfnis, der besonderen Geschehnisse im Leben Jesu an einem bestimmten Tag zu gedenken. Die Festsetzung des jeweiligen Datums beruhte nicht auf den tatsächlichen Gegebenheiten, sondern richtete sich vielfach nach den im jeweiligen Land üblichen Feiertagen. Mit der Ausbreitung des Christentums kam der Glaube auch in nichtjüdisch geprägte Kulturkreise. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass die Gedenktage in den frühchristlichen Gemeinden nicht einheitlich begangen wurden.

Historie des Weihnachtsfestes

Nicht anders verhält es sich auch mit dem Weihnachtsfest. Der Tag, an dem Jesus als Mensch geboren wurde, ist unbekannt. Alte Quellen nennen Tage um den 20. Mai. Dann wurde der 6. Januar im Osten als das "Fest der Erscheinung des Herrn" (= Epiphanie oder Epiphanias; erhielt später einen anderen Inhalt) und schließlich in Rom der 25. Dezember festgelegt. Den ältesten Hinweis finden wir in einem Eintrag des Chronisten Filokalus, der im Jahr 354 zum 25. Dezember eintrug: "natus Christus in Betleem iudeae". Über das Datum gab es mancherlei Querelen; weil der 25. Dezember Feiertag der lange als Götter verehrten römischen Kaiser war, lehnten ihn viele ab. Hinzu kam, dass in den alten germanischen Religionen dieses Datum zu den 12 heiligen Nächten der Sonnenwende gehörte. Daher stammt übrigens auch der deutsche Name Weihnachten, abgeleitet von "ze wîhen nahten".

Die Überlegungen, welcher Termin nun der geeignetere ist, bringen keinen Nutzen. Wir begehen das Weihnachtsfest an dem dafür in der Christenheit anerkannten Tag.

Brauchtum

Während die Heiden ihre Feste begingen, gedachten die Christen ihres Herrn. Sie erlebten also die christlichen Feste - und so auch Weihnachten - in einem heidnischen Umfeld. Dadurch hat sich im Lauf der Zeit heidnisches Brauchtum mit den christlichen Festen verbunden. Viele dieser Bräuche haben sich bis heute erhalten. Sie unterscheiden sich in den einzelnen Ländern und Kulturen oft stark voneinander.

Weit verbreitet ist der Brauch, zum Weihnachtsfest einen festlich geschmückten Baum aufzustellen und einander zu beschenken. Auch verbinden sich spezielle Speisen mit Weihnachten: So wird in Großbritannien und einigen ehemaligen englischen Kolonien Plumpudding gegessen; aus Amerika kommt die Sitte, Truthahn zu bereiten. Gegen solche Bräuche ist nichts einzuwenden. Es ist die Sache jedes einzelnen, wie er das Weihnachtsfest bei sich gestaltet. Eines aber ist sehr wichtig: Es darf nie soweit kommen, dass die Äußerlichkeiten den eigentlichen Inhalt des Festes überlagern! Für uns muss immer im Vordergrund stehen: Weihnachten ist ein Fest, das dem Gedenken der Geburt des Erlösers geweiht ist. Deshalb halten wir es heilig, indem wir des einstigen Geschehens dankbar gedenken, uns den eigentlichen Inhalt dieses Festes und die damit verbundene Hoffnung ganz bewusst machen und den Segen ergreifen, insbesondere in der Gemeinde im Gottesdienst.

Ein unfassbares Wunder!

Eine weitere Prophezeiung, die sich im Weihnachtsgeschehen erfüllte, war der Hinweis Michas auf den Geburtsort des kommenden Messias: "Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist" (Micha 5, 1). Damit sich diese Verheißung erfüllen konnte und der Sohn Gottes nicht in der Stadt Nazareth zur Welt kam, wo Joseph und Maria lebten, gebrauchte Gott den römischen Kaiser Augustus als Werkzeug. Der Kaiser ließ eine Volkszählung durchführen, bei der jeder Einwohner Judäas in die Stadt seiner Vorfahren ziehen musste. Deshalb machte sich auch Joseph mit der hochschwangeren Maria auf den Weg nach Bethlehem. Dort gebar Maria "ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" (vgl. Lukas 2, 1). So hatte Gott durch das Gebot des Kaisers, das just zu diesem Zeitpunkt erlassen worden war, dafür gesorgt, dass seine Verheißung in Erfüllung ging.

Treffend schreibt Apostel Paulus von dem Weihnachtsgeschehen: "Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen" (Galater 4, 4. 5). Mit diesen schlichten Worten beschrieb er das Wunder der Geburt Jesu Christi und nannte den Grund, weshalb Gottes Sohn Mensch wurde: um Erlösung zu schaffen und den Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, Gotteskinder zu werden. In Jesu Christo hat Gott den Weg gelegt, auf dem er seine Liebe uns Menschen zuwendet und auf dem wir die Gotteskindschaft empfangen können: "Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen!" (1. Johannes 3, 1).

In der Sendung seines Sohnes offenbarte Gott seine unendlich große Liebe zu uns: "Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen" (1. Johannes 4, 9). Diese Liebe ging soweit, dass Christus sich selbst erniedrigte, sich seiner Herrlichkeit, seiner göttlichen Gestalt entäußerte und Knechtsgestalt annahm. Weihnachten, wahrlich ein Ausdruck der Liebe des Vaters und des Sohnes.

Der Tag der Geburt Jesu war ein Tag größter Freude, der göttlichen Frieden zu den Menschen brachte und an dem sich die kommende Herrschaft Christi ankündigte. In der Nacht der Geburt Jesu hüteten in der Gegend um Bethlehem Hirten ihre Herde. Da trat ein Engel Gottes zu ihnen und die Klarheit, die Herrlichkeit des Herrn, umleuchtete sie. Die Hirten, die nicht wussten, wie ihnen geschah, fürchteten sich. Da sprach der Engel: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen." Dann lesen wir: "Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens." Dann fuhren die Engel gen Himmel. Die Hirten aber gingen nach Bethlehem, wo sie alles genau so fanden, wie es ihnen der Engel gesagt hatte. Nachdem die Hirten Maria und Joseph von dem Geschehen auf dem Feld erzählt hatten, kehrten sie "wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten" (vgl. Lukas 2, 8).

Auch bei den Heiden war die Geburt des Gottessohnes nicht verborgen geblieben. Im Morgenland hatten Weise aufgrund einer besonderen Erscheinung am Sternenhimmel den Schluss gezogen, den Juden müsse ein neuer König geboren worden sein. In Jerusalem erfragten sie von dem König Herodes, wo sie den neuen König finden könnten. Aufgrund des bereits erwähnten Wortes aus Micha 5, 1 sagten die Schriftgelehrten, dass der Christus in Bethlehem geboren werden solle. So schickte Herodes die Weisen dorthin mit der heimtückischen Bitte: "Wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete." In Wirklichkeit aber wollte er das Kind umbringen, damit es seine Regentschaft nicht gefährden konnte. Die Weisen zogen nun dem Stern nach, der vor ihnen her ging, "bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe" (vgl. Matthäus 2, 1).

Den Weisen aber befahl Gott im Traum, nicht mehr zu Herodes zu gehen. So zogen sie auf einem anderen Weg zurück in ihr Land. Durch einen Engel ließ Gott nun Joseph sagen, er solle mit dem Kindlein und Maria nach Ägypten fliehen und dort bleiben, weil Herodes das Kind umbringen wolle. Joseph gehorchte und blieb mit seiner Familie so lange in Ägypten, bis Herodes im Jahr 4 vor Beginn unserer Zeitrechnung starb. Daraus folgt, dass sich die Festlegung unserer Zeitrechnung nicht auf das tatsächliche Geburtsjahr Christi gründet. Heute geht man von dem Jahr 7 v. Chr. als dem Geburtsjahr aus.

Als nun der König merkte, dass die Weisen nicht mehr zu ihm kamen, ließ er alle Kinder bis zum Alter von zwei Jahren in Bethlehem und an dessen Grenzen töten. Auch in diesen Zusammenhängen sieht der Evangelist Matthäus Erfüllungen von alten Prophetenworten (vgl. Matthäus 2, 15. 17. 18).

Verheißungen wurden Wirklichkeit, als die Zeit erfüllt war

Blicken wir auf das Weihnachtsgeschehen. Eines Tages sandte Gott den Engel Gabriel in die galiläische Stadt Nazareth zu der Jungfrau Maria, die mit Joseph, einem Mann aus dem Geschlecht Davids, verlobt war. Gabriel begrüßte das Mädchen und sprach zu ihm: "Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben." Maria fragte den Engel: "Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?" Da antwortete Gabriel: "Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden" (vgl. Lukas 1, 26).

Schier Unmögliches hatte Gott verkündigen lassen: Eine Jungfrau sollte ohne Zutun eines Mannes, allein durch den Heiligen Geist, schwanger werden! Gabriel setzte hinzu: "Bei Gott ist kein Ding unmöglich." Darauf sagte Maria: "Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast" (vgl. Lukas 1, 37. 38). Demütig fügte sie sich in den Willen Gottes. Welch ein Glaube spricht aus den schlichten Worten dieses Mädchens!

Die Tatsache, dass der Sohn Gottes ohne Zutun eines Mannes empfangen wurde, kann auch als eine Erfüllung des Wortes Gottes gesehen werden, dass ein Nachkomme aus dem Samen des Weibes der Schlange den Kopf zertreten werde (vgl. 1. Mose 3, 15). Das ist sehr ungewöhnlich, denn sonst wird in der Bibel immer auf die Abstammung vom Mann Bezug genommen.

Nicht nur von Maria, sondern auch von Joseph wurde Glaube gefordert. Als er merkte, dass Maria schwanger war, wollte er sie heimlich verlassen. Da aber erschien ihm ein Engel im Traum, der ihm sagte: "Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden." Da nahm Joseph Maria zu sich, und "er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus" (vgl. Matthäus 1, 18).

Mit der Geburt Jesu von der Jungfrau hatte sich die Vorhersage des Propheten Jesaja erfüllt: "Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel" (Jesaja 7, 14; vgl. Matthäus 1, 23).

Hoffnung aus dem Weihnachtsgeschehen

Bei der Geburt Jesu haben sich die mancherlei göttlichen Verheißungen erfüllt, die Gott zuvor gegeben hatte. Weihnachten ist deshalb für uns nicht nur ein durch Besinnlichkeit oder von Brauchtum geprägtes Fest, sondern es ist eine Bestätigung, dass Gott alles erfüllt, was er verheißen hat. Dies bestärkt uns in der Glaubenssicherheit, dass sich auch bald alle Verheißungen erfüllen werden, die sich auf das zweite Kommen Christi beziehen.

So unmöglich, wie dem menschlichen Verstand die Geburt durch eine Jungfrau erscheint, so unmöglich scheint auch das bevorstehende Wunder der Entrückung der Braut Christi. Doch auch hier gilt: "Bei Gott ist kein Ding unmöglich!" Wenn Jesus Christus wiederkommt, dann erniedrigt er sich nicht mehr, indem er sich den Menschen gleich macht, sondern er macht die Menschen, die sein Heil angenommen haben, durch die Verwandlung sich gleich. Jener Augenblick wird für die Gotteskinder höchste Seligkeit bringen. Dann erfüllt sich auch die in den letzten Worten der Bibel verzeichnete Verheißung: "Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald" (Offenbarung 22, 20).