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Unterwegs zur Neuapostolischen Kirche (3): Gott gibt wieder einen Apostel

01.01.2013 Von: Manfred Henke

Apostel John Bate Cardale

Cardale über Rufung

Er wartete auf die Rückkehr des Apostelamtes und wurde schließlich selbst zum ersten Apostel der Neuzeit: John Bate Cardale. Doch der Weg dorthin war nicht ohne Irrungen.

1830 hatte der Anwalt Cardale die widersprüchlichen Berichten über Krankenheilungen, Zungenreden und Weissagungen gelesen. Kurz entschlossen war er – begleitet von zwei Ärzten und seinen beiden Schwestern Mary Ann und Emily – nach Schottland gefahren, um sich selbst ein Bild zu machen. Was er dort erfuhr, hatte ihn überzeugt, und dafür verbürgte er sich in der Presse mit seinem guten Namen.

Durch seine Veröffentlichung über den Besuch in Schottland war Cardale, der weder zum Albury-Kreis noch zur Gemeinde von Edward Irving gehört hatte, mit der beginnenden katholisch-apostolischen Bewegung in Kontakt gekommen. Seine Frau Emma begann zu weissagen, ebenso seine beiden Schwestern.
Für den jungen Familienvater stand fest: In den prophetisch begabten Personen wirkte der Geist Gottes. Baptist Noel, seinen anglikanischen Pastor, konnte er davon aber nicht überzeugen. Noel hielt ihm entgegen: Wenn es wieder Propheten gäbe, könnte ja auch jemand annehmen, dass wieder Apostel tätig würden, und das sei natürlich völlig abwegig. Cardale sah das anders. Er achtete in den Weissagungen besonders auf Hinweise auf Apostel. Allmählich wurde er wegen seines Glaubens aus seiner bisherigen Kirche verdrängt. Im Sommer 1832 schloss er sich Irvings Gemeinde an.

Verwirrung der Geister

Irving verließ sich besonders auf die Weissagungen von Emily Cardale und Mary Campbell, jener in Schottland wundersam geheilter Frau, die mittlerweile als frisch verheiratete Mrs. Caird nach London gekommen war. Besondere Bedeutung erlangte schließlich Edward Oliver Taplin, der 1833 als erster das Amt eines Propheten empfing. Anderen Personen verbot Irving das Weissagen in der Gemeinde, weil er sie als falsche Propheten erkannte.

Seine Schwierigkeiten hatte Irving allerdings mit einem gewissen Robert Baxter: Wenn der Anwalt aus Doncaster beruflich in London zu tun hatte, besuchte er die Versammlungen der prophetisch begabten Personen. Jedes Mal erregte er mit seinen Weissagungen Aufsehen. Lag es vielleicht daran, so fragte sich Irving, dass er kein gewöhnlicher Prophet war, sondern ein Apostel?  Wer hatte die Gabe, das zu erkennen? Irving offenkundig nicht: Das wurde deutlich, als Robert Baxter, in dem er schon den künftigen Apostel gesehen hatte, plötzlich das gesamte Geisteswirken als Irrtum bezeichnete.

Ein Ende und ein neuer Anfang

Von Baxters Kehrtwendung erfuhr Irving, als er gerade zum Schiedsverfahren zwischen sich und den Treuhändern der für ihn erbauten Kirche aufbrechen musste. Denn die Gemeinde war uneins geworden. Zungenreden und Weissagungen hatten viele neue Mitglieder gelockt, aber ein Teil der ursprünglichen Gemeinde wollte endlich wieder Ruhe in den Gottesdiensten. Die Treuhänder stellten Irving vor die Wahl: Würde er dem Treiben der Propheten ein Ende machen, könne er bleiben. Sonst müsse er gehen. Cardale stand Irving als Anwalt zur Seite – vergeblich.

So kam es, dass Irving und seine Gemeindemitglieder am 4. Mai 1832 vor der verschlossenen Kirchentür standen. Irving hielt seine Predigten im Freien, dann in einer ehemaligen Auktionshalle für Pferde. 200 Gläubige aus seiner alten Gemeinde folgten ihm, bald wuchs die Gemeinde auf über 800. Nach den Enttäuschungen warteten Irving und die bei ihm Gebliebenen jetzt noch intensiver auf einen Apostel. Im August schloss sich auch Cardale der verachteten Schar an.

Die Gläubigen wollten Geld sammeln und eine einfache Kapelle errichten. Weissagungen verboten es ihnen. Bis zur Wiederkunft Christi würde ein gemieteter Saal ausreichen. Bald fand man eine ehemalige Bildergalerie in der Newman Street, unweit der alten Versammlungsstätte. Die Gemeinde zog am 19. Oktober 1832 dort ein.

Eine Apostel erkennt seine Aufgabe

Durch mehrere Weissagungen wurde John Bate Cardale als Apostel bezeichnet und aufgefordert, den Heiligen Geist zu spenden. Cardale war sich bewusst, dass er zunächst selbst glauben musste, dass er ein Apostel war. Er wusste: Weissagungen mussten geprüft werden. Und er begriff: Das war eine seiner Aufgaben als Apostel.

Cardale merkte, dass er nicht einfach tun konnte, was Baxter und Irving die Gläubigen gelehrt hatten. Er sollte ihnen die Hände auflegen, dann würden sie in Zungen reden, weissagen und Kranke heilen. Sündlos wie Jesus zu werden, Wunder wie er zu tun – das war ihre Hoffnung. Mit diesen Geistesgaben würden sie ausziehen, predigen und die endzeitliche Gemeinde sammeln. Dann, nach dreieinhalb Jahren, konnte Christus kommen.

Cardale wusste nicht, was alles bis zur Wiederkunft Christi geschehen würde. Er merkte aber, dass Gott ihn anders führte, als Irving und die Gemeinde es dachten. Seine erste Amtshandlung als Apostel verrichtete er gar nicht in Irvings Gemeinde, sondern als er zu Weihnachten bei den Drummonds in Albury eingeladen war. Am Heiligabend 1832 fühlte er sich innerlich getrieben, durch Handauflegung William Rennie Caird zum Evangelisten zu ordinieren. Durch den Propheten Taplin aufgefordert, ordinierte er zwei Tage später Henry Drummond zum Engel (Bischof) der dortigen Gemeinde.

So entstand erst eine Kirche mit einer Ämterordnung, ehe schließlich 1847 erstmals die apostolische Handauflegung zur Versiegelung stattfand. Vorher lernte die Gemeinde: Vordringlicher als einzelne Geistesgaben waren die Ämter als Gaben Gottes für seine Kirche. An ihrer Spitze mussten Apostel stehen und für die rechte Ordnung sorgen.

Cardale wusste damals nicht, was die Zukunft bringen würde. Er tastete sich, angeleitet von Weissagungen, schrittweise voran. Aber Gottes Plan stand fest, darauf vertraute er, und er war überzeugt: Gott wollte ihn als Apostel gebrauchen.